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"Weniger bringt mehr?!" - ein Blick hinter die Kulissen

7 Wochen auf Kaffee, tierische Produkte oder Rauchen verzichten - warum tun Menschen sich das an und verzichten in der Fastenzeit auf Sachen, die zu ihrem Leben gehören? Bibel TV Redakteurin Rebekka Schürmann hat Menschen in der Passionszeit begleitet und dabei einige, für sie neue, Entdeckungen gemacht.

Von Malaika Plager 01.03.2017

Weniger bringt mehr?! Wenn Christen fasten.

Sieben Wochen auf Kaffee, tierische Produkte oder Rauchen verzichten - warum tun Menschen sich das an und verzichten in der Fastenzeit auf Sachen, die zu ihrem Leben gehören? Bibel TV Redakteurin Rebekka Schürmann hat Menschen in der Passionszeit begleitet und dabei einige, für sie neue, Entdeckungen gemacht.

Für die Dokumentation zur Fastenzeit war Redakteurin Rebekka Schürmann bereits ein Jahr zuvor auf Dreh unterwegs, um Fastenbräuche mit der Kamera einzufangen. „Weniger bringt mehr?!" hat sie sich als Titel für die Doku überlegt. Was steckt dahinter?

Rebekka Schürmann: Dahinter steht der Grundgedanke: Wenn ich in meinem Leben auf einer Seite etwas reduziere, gewinne ich an einer anderen Stelle ein Mehr an Platz oder Zeit beispielsweise. Ich wollte herausfinden, ob die Leute das sagen können am Ende der Fastenzeit, dass sie nicht nur verzichtet, sondern mehr haben. Bei der Vorbereitung der Doku ist mir aufgefallen, dass es in der Fastenzeit viel mehr Angebote in den Kirchen gibt als sonst. Man muss den Verzicht ja auch mit etwas füllen.

Die Angebote und Traditionen der Kirchen in der Passionszeit sind ganz unterschiedlich. Für die evangelische Christin waren besonders die katholischen Bräuche interessant.

Rebekka Schürmann: Beim Dreh der Fastendoku habe ich vieles mitbekommen, was ich vorher gar nicht kannte. Zum Beispiel, dass die Gläubigen in der katholischen Kirche ein Aschekreuz auf die Stirn bekommen. Dann war ich das erste Mal bei einer Karfreitagsprozession dabei. Ich konnte mir das erst nicht so ganz vorstellen, wie das wird, wenn man einen verkleideten Jesus durch die Straßen ziehen lässt. Aber es war beeindruckend und eine schöne Einstimmung auf die Passionszeit. Ich würde dort auch wieder mitlaufen.

Die Bibel TV Redakteurin fastet selbst jedes Jahr mit. Sie hat es sich angewöhnt, in der Zeit grundsätzlich auf Fastfood zu verzichten. Letztes Jahr kam dann noch ein Facebook-Fasten hinzu, - was ihr gar nicht schwer fiel, - diesmal fastet sie Süßigkeiten. Aus eigener Erfahrung und in der Begegnung mit anderen Fastenden sind ihr verschiedene Gründe fürs Fasten begegnet.

Gründe fürs Fasten

1.       Wer auf Liebgewordenes verzichtet, kann das Leiden Jesu besser verstehen

2.       Eine künstliche Fallhöhe erzeugen: Wenn die Wochen davor entbehrungsreich sind, wird Ostern ein noch größeres Fest

3.       Sich selbst besser kennenlernen, die eigenen Abhängigkeiten prüfen, mit sich selbst weiterkommen

4.       Einfach mal einen Gang zurückschrauben

5.       Erkennen, was mir alles geschenkt ist und Dankbarkeit üben

6.       An Leute denken, die nichts haben - Solidaritätsgedanke

7.       Erkennen, was zwischen mir und einem Leben als freier Christ steht - wie kann ich die Zeit, die ich für meine Gewohnheiten nutze, anders, vielleicht sinnvoller nutzen?

8.       Fasten als Vorbereitung auf die Feier von Jesu Kreuzigung und Auferstehung, reinen Tisch machen vor der Begegnung mit dem Auferstandenen

Gründe, warum man fastet, gibt es demnach genügend und viele Gläubige machen jedes Jahr bei der Fastenzeit mit. An Hauptpersonen für den Film sollte es eigentlich nicht mangeln. Dennoch gab es einige Herausforderungen bei der Produktion der Doku.

Rebekka Schürmann: Zum einen war es schwierig, etwas bildlich zu zeigen, was Leute nicht machen. Also, wie zeigt man, dass jemand Kaffee fastet? Man kann den Kaffee ja dann nicht zeigen. Aber Tee vielleicht. Und zum anderen war es überhaupt erst einmal schwer, Leute zu finden, die man in der Fastenzeit begleiten kann. Das scheint dann doch etwas Privates zu sein, über das viele nicht öffentlich reden wollen. Vielleicht, weil es ums Scheitern geht und die schlechten Angewohnheiten lieber privat bleiben sollen.

Ob alleine oder mit einem Forum - wie man fastet, ist jedem Einzelnen überlassen. Ihrer Meinung nach muss man den Weg nicht gemeinsam gehen, allein fasten geht genauso gut. Schließlich sind auch die Abhängigkeiten unterschiedlich. Auf jeden Fall möchte sie den Zuschauern mit ihrer Dokumentation Mut machen:

Rebekka Schürmann: Ich empfehle, dass man das mal ausprobiert, mit welcher Motivation auch immer. Meiner Meinung nach ist Fasten nicht einfach eine sportliche Übung.