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Artikel vom: 01.03.2010
Bibel TV im Interview mit Landesbischof Dr. Johannes Friedrich
Der Nahostbeauftragte der EKD spricht über Israel.

 

Bibel TV: „Herr Bischof Friedrich, wie ist Ihr Verhältnis zu Israel?“


Bischof Johannes FriedrichFriedrich: „Nachdem ich sechs Jahre in Jerusalem gelebt habe, ist mir das Heilige Land sehr ans Herz gewachsen. Dazu gehört Israel, dazu gehören viele Menschen, die in Israel leben und mit denen wir befreundet sind. Aber Israel ist auch der Staat, in dem Jüdinnen und Juden in Sicherheit und Freiheit leben können wollen, nachdem sie über Jahrhunderte hinweg von Christen missachtet und diskriminiert, ja verfolgt und getötet wurden – und im vergangenen Jahrhundert ganz besonders von Deutschen. Es ist das Land der Juden, zu denen wir Christen eine ganz besondere Beziehung haben, nicht nur wegen dieser Vergangenheit, sondern auch aus der Einsicht heraus, dass der christliche Glaube dort seine Wurzeln hat.

Aber der Staat Israel und seine Politik macht mir auch Kopfzerbrechen und Herzschmerzen – habe ich doch auch viele Freunde in Palästina und erfahre von ihnen, dass es immer wieder Unrecht, ja Menschenrechtsverletzungen durch eine langjährige israelische Besatzung gibt. So sehr ich das Sicherheitsbedürfnis der Israelis verstehe und ihre Ängste vor Selbstmordattentaten nachempfinden kann, so wenig beruhigt oder tröstet dies meine palästinensischen Freunde und meine christlichen Brüder und Schwestern unter den Palästinensern.

 

Bibel TV: „Wie sieht das Engagement der EKD vor Ort aus?“

Friedrich: „Ich bin Nahostbeauftragter der EKD und als solcher Vorsitzender der drei EKD-nahen Kuratorien. Das sind die Evangelische Jerusalem-Stiftung, die für die Propstei und die Erlöserkirche zuständig ist, die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Stiftung, die Besitzerin des Geländes auf dem Ölberg mit der Himmelfahrtskirche ist, und das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaften des Heiligen Landes, das ebenfalls auf dem Ölberg ist. Wir haben durch die drei Stiftungen insgesamt zehn Mitarbeitende aus Deutschland nach Jerusalem entsandt, für die ich als Kuratoriumsvorsitzender eine gewisse Verantwortung trage und die ich deshalb immer wieder besuche. Daneben habe ich Sorge zu tragen dafür, dass das Verhältnis zu der Partnerkirche der EKD, zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL) gepflegt und ausgebaut wird.“

 

Bibel TV: „Welche Verantwortung haben Christen in der heutigen Zeit gegenüber Israel?“

Friedrich: „Wir tragen aus verschiedenen Gründen Verantwortung gegenüber Israel: aus den genannten historischen Gründen, weil Christen Mittäter bei Judenverfolgungen waren und durch ihre Theologie den Antisemitismus gefördert haben. Aber auch wegen unserer notwendigen Solidarität gegenüber unseren christlichen Brüdern und Schwestern. So ist das Wichtigste, was wir tun können, Israel, Juden, Christen und Muslime ebenso wie Israelis und Palästinenser in unser Gebet einzuschließen. Daneben ist ein Besuch des Heiligen Landes ein wichtiger Beitrag zum Frieden dort, wenn wir mit den Menschen auf beiden Seiten reden und ihnen zeigen, dass wir mit ihnen soldarisch sind.“

Die Fragen stellte Toni Wleczyk


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Quelle: Bibel TV
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Ludwig SchneiderLudwig Schneider von "israel heute" beantwortet Ihre Fragen rund um Israel im Programm von Bibel TV. Senden Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Frage an: info@israelheute.com.
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