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Karfreitag

Karfreitag ist der Trauer über Jesu Tod am Kreuz gewidmet. Sein Leidensweg verdeutlicht menschliche Schwächen wie Verrat, Verleugnung und mangelnde Integrität. Bis zum heutigen Tag versuchen Christen diesen Leidensweg in ihren Gottesdiensten nachzuempfinden.
Von Tobias Becker
02.04.2015

Darstellung: Jesus Christus am Kreuz (Quelle: flickr / Víctor Nuño CC BY-NC 2.0)

Inzwischen war es Mittag geworden. Eine Finsternis brach über das ganze Land herein, die bis drei Uhr nachmittags dauerte; die Sonne hatte aufgehört zu scheinen. Dann riss der Vorhang im Tempel mitten entzwei. Jesus rief laut: Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist! Mit diesen Worten starb er."

Lukas 23,44-46

Die Kreuzigung Jesu ist der dramatische Höhepunkt eines einsamen Leidensweges. Verraten von Judas, verleugnet von Petrus und verlassen von seinen Jüngern trägt Jesus sein Holzkreuz zur Schädelstätte Golgatha.

Der anfänglich euphorische Empfang in Jerusalem ist einem traurigen Bild gewichen:  Ein zerschundener Mann mittleren Alters stirbt einen qualvollen Tod am Kreuz. Sein Verbrechen ist die angebliche Volksverhetzung. Statt Jubelrufe erntet dieser Mann Häme von den führenden Männern des Volkes: „Anderen hat er geholfen; soll er sich doch jetzt selbst helfen, wenn er der von Gott gesandte Messias ist, der Auserwählte!“ (Lukas 23,38)

Doch Jesus steigt nicht vom Kreuz herab. Er wählt als Mensch mit Ängsten (Lukas 22,44) bewusst den Weg in den Tod. Als Gott wird er letztlich den Tod überwinden, doch daran mag noch keiner von den Jüngern glauben, trotz der Wunder, die sie erlebt haben. Die Jünger, wie auch viele Beistehende, sind zutiefst betroffen von Jesu Tod und verbleiben in Trauer.

Das althochdeutsche Wort für Trauer heißt „chara“ bzw. mittelhochdeutsch „kar“. Aus diesem Begriff leitet sich einerseits der Karfreitag, aber auch die Karwoche ab. Die Trauer hat somit in der Passionsgeschichte eine wichtige Stellung. Christen haben in dieser Zeit die Möglichkeit der Trauer über Jesu Tod Raum zu geben. 

Jesu Leidensweg als erfahrbarer Gottesdienst

Manche römisch-katholische Christen verzichten an diesem Tag auf Fleisch, insbesondere weil Karfreitag der Höhepunkt des Osterfastens ist. Liturgisch gesehen wird Karfreitag in der katholischen Tradition meist als ein Wortgottesdienst gestaltet. Das Kreuz, Stille, Schlichtheit und Fürbitte sind Kennzeichen dieses Gottesdienstes. Auch die Kirchenglocken schweigen (von Gründonnerstag und bis zur Osternacht). Vor allem in südlichen Regionen werden auch Passionsspiele aufgeführt.

Der evangelischen Tradition wird oft nachgesagt, dass Karfreitag der bedeutendste Feiertag des Kirchenjahres sei. Geschichtlich gesehen lässt sich das vor allem in der „Theologie des Kreuzes“ belegen. Doch der Fokus hat sich mit der Zeit wieder auf Ostern und die Auferstehung verschoben. Evangelische und katholische Kirche haben sich diesbezüglich angenähert. Die Erfahrbarkeit des Glaubens hat an Bedeutung gewonnen. Evangelische Gottesdienste um 6 Uhr morgens oder 23 Uhr gewinnen immer mehr Besucher. Weiterhin ist der Empfang des Abendmahls und Konzerte wie z.B. die Johannespassion in vielen evangelischen Gottesdiensten ein fester Ritus. In manchen Freikirchen wird durch eine besondere Raumgestaltung oder Ostergärten der Kreuzesweg nachempfunden. Zudem organisieren einige Freikirchen aufwendig gestaltete Anbetungsabende. Ähnlich wie in vielen Landeskirchen wird oftmals auch das Abendmahl eingenommen.

Weil wir ihm so viel wert sind: Die Radikalität der Liebe Gottes

Dem Karfreitag auf der Spur