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Elberfelder Bibel
Elberfelder 2006
Hiobs Antwort: Wohlergehen der Gottlosen – Gottes Willkür im Austeilen von Glück und Unglück – Kein Gericht über die Gottlosen
1 Und Hiob antwortete und sagte:
2 Höret, hört meine Rede! Das wäre {wahrer} Trost von euch!
3 Ertragt mich, dann will ich reden, und nachdem ich geredet habe, magst du spotten[8]Eine griech. , die syr. Üs. und Vulg. lesen: mögt ihr spotten; LXX: werdet ihr nicht spotten.
4 {Trage} ich mein Anliegen[9]o. was mich umtreibt; o. meine Klage etwa einem Menschen vor? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?
5 Wendet euch zu mir und schaudert und legt die Hand auf den Mund!
6 Ja, wenn ich daran denke, so bin ich bestürzt, und Erbeben packt mein Fleisch.
7 Warum leben die Gottlosen, werden alt, nehmen gar noch zu an Macht?
8 Ihre Nachkommen stehen fest vor ihnen so gut wie sie, und ihre Sprösslinge[10]o. deren Sprösslinge; d. h. die Enkel der Gottlosen sind vor ihren Augen.
9 Ihre Häuser haben Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute[11]o. Gottes Herrscherstab ist nicht über ihnen.
10 Sein Stier bespringt und verfehlt nicht, seine Kuh kalbt ohne Fehlgeburt.
11 Ihre Buben schicken sie aus wie eine Schafherde, und ihre Kinder hüpfen umher.
12 Sie[12]d. h. die Gottlosen erheben {ihre Stimme} bei[13]so mit den alten Üs. und vielen hebr. Handschr. ; Mas. T. : wie Tamburin und Zither und sind fröhlich beim Klang der Flöte.
13 Im Glück genießen sie ihre Tage, und in Ruhe sinken sie in den Scheol hinab[14]so mit den alten Üs. ; Mas. T. : und in Ruhe sind sie erschrocken {vor dem} Scheol, o. {nur} eine Zeit lang ….
14 Und doch sagen sie zu Gott: Weiche von uns! Und an der Erkenntnis deiner Wege haben wir kein Gefallen.
15 Was ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten, und was hilft es uns, dass wir {mit Bitten} in ihn dringen?
16 Siehe, steht nicht ihr Glück in ihrer Hand?[15]o. Siehe, ihr Glück steht nicht in ihrer Hand. – LXX: steht in ihrer Hand Der Rat der Gottlosen sei fern von mir[16]LXX: von ihm; d. h. von Gott!
17 Wie oft erlischt {denn} die Leuchte der Gottlosen und kommt über sie ihr Verderben, {wie oft} teilt er Vernichtung zu in seinem Zorn?
18 {Wie oft denn} werden sie wie Stroh vor dem Wind und wie Spreu, die der Sturmwind entführt?
19 Bewahrt Gott sein Unheil auf für seine Kinder[17]d. h. für die Kinder des Gottlosen? Er vergelte ihm selbst[18]d. h. dem Gottlosen, dass er es fühlt[19]w. dass er es erkenne!
20 Seine {eigenen} Augen sollen seinen Verfall sehen, und vom Zorn des Allmächtigen trinke er!
21 Denn was liegt ihm an seinem Haus nach ihm, wenn die Zahl seiner Monate zu Ende ist[20]o. weggewischt ist; o. {ohnehin} knapp bemessen ist?
22 Kann man Gott Erkenntnis lehren, ihn, der {selbst} die Erhabenen[21]d. h. die himmlischen Wesen richtet?
23 Dieser stirbt in seiner Vollkraft, ganz ungestört und ruhig.
24 Seine Schenkel[1]T. ; die Bedeutung des Wortes im Mas. T. ist umstritten; LXX und Vulg. : Seine Eingeweide; andere vermuten: Seine Tröge sind voll Fett[2]So verstehen LXX, Vulg. und die syr. Üs. das hebr. Wort. Die Masoreten deuten es als Milch., und das Mark seiner Gebeine ist {wohl} getränkt.
25 Und jener stirbt mit bitterer Seele und hat nichts vom Glück genossen.
26 Zusammen liegen sie im Staub, und Gewürm deckt sie zu.
27 Siehe, ich erkenne eure Gedanken, und die Anschläge, die ihr gegen mich ersinnt.
28 Denn ihr sagt: Wo ist das Haus des Edlen[3]Wegen des Parallelismus ist das Wort »Edler« hier negativ aufzufassen, etwa im Sinne von »Tyrann« wie z. B. Kap.12,21. und wo das Zelt, die Wohnung der Gottlosen?
29 Habt ihr die nicht befragt, die des Weges vorüberziehen? Und habt ihr ihre Zeichen nicht genau betrachtet:
30 dass der Böse am Tag des Verderbens verschont wird, dass sie am Tag des Grimms[4]w. der Zornesfluten {in Sicherheit} geleitet werden?
31 Wer wird ihm ins Gesicht seinen Weg vorhalten? Und hat er gehandelt, wer wird ihm vergelten?
32 Er aber, er wird zu den Gräbern geleitet, und auf dem Grabhügel hält man Wache.
33 Süß sind ihm die Schollen des Tales. Und alle Welt zieht hinter ihm her, auch vor ihm ohne Zahl.
34 Wie tröstet ihr mich nun mit Dunst? Und von euren Einwänden bleibt {nur} Trug übrig.
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen
Einheitsübersetzung
Einheitsübersetzung 2016
IJOBS GEGENREDE: 21,1–34
Bitte um Geduld: 21,1–6
1 Da antwortete Ijob und sprach:
2 Hört, hört doch auf mein Wort, / das wäre mir schon Trost von euch.
3 Ertragt mich, sodass ich reden kann. / Habe ich geredet, dann könnt ihr spotten.
4 Richte ich an Menschen meine Klage, / habe ich nicht Grund zur Ungeduld?
5 Wendet euch mir zu und erstarrt / und legt die Hand auf den Mund!
6 Denke ich daran, bin ich erschreckt / und Schauder packt meinen Leib.
Glück des Frevlers: 21,7–21
7 Warum bleiben Frevler am Leben, / werden alt und stark an Kraft?
8 Ihre Nachkommen stehen fest vor ihnen, / ihre Sprösslinge vor ihren Augen.
9 Ihre Häuser sind in Frieden, ohne Schreck, / die Rute Gottes trifft sie nicht.
10 Ihr Stier bespringt und fehlt nicht, / die Kühe kalben und verwerfen nicht.
11 Wie Schafe treiben sie ihre Kinder aus, / ihre Kleinen tanzen und springen.
12 Sie singen zu Pauke und Harfe, / erfreuen sich am Klang der Flöte,
13 sie bringen hin ihre Tage im Glück / und fahren voll Ruhe hinab ins Totenreich.
14 Und doch sagten sie zu Gott: Weiche von uns! / Deine Wege wollen wir nicht kennen.
15 Was ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen, / was nützt es uns, wenn wir uns an ihn wenden?
16 Doch in ihrer Hand liegt nicht das Glück, / der Frevler Denkart ist mir fern.
17 Wie oft erlischt der Frevler Lampe, / kommt Unheil über sie, / teilt er Verderben zu in seinem Zorn?
18 Wie oft werden sie wie Stroh vor dem Wind, / wie Spreu, die der Sturm entführt?
19 Spart Gott sein Unheil auf für dessen Kinder? / Ihm selbst vergelte er, dass er es spürt!
20 Mit eigenen Augen soll er sein Unglück schauen, / vom Grimm des Allmächtigen soll er trinken.
21 Denn was kümmert ihn sein Haus, wenn er dahin ist, / wenn abgeschnitten seiner Monde Zahl?
Trügerischer Trost: 21,22–34
22 Darf man Gott Erkenntnis lehren, / ihn, der die Erhabenen richtet?
23 Der eine stirbt in vollem Glück, / ist ganz in Frieden, sorgenfrei.
24 Seine Schenkel sind voll von Fett, / getränkt mit Mark sind seine Knochen.
25 Der andere stirbt mit bitterer Seele / und hat kein Glück genossen.
26 Zusammen liegen sie im Staub / und Gewürm deckt beide zu.
27 Seht, euer Denken kenne ich wohl, / die Ränke, die ihr sinnt gegen mich.
28 Ihr sagt: Wo ist das Haus des Edlen / und wo das Zelt, in dem Frevler wohnen?
29 Habt ihr nie die fahrenden Leute befragt / und nicht ihre Zeichen genau beachtet?
30 Dass am Unglückstag der Böse verschont wird, / weggebracht am Tag des Zorns.
31 Wer hält ihm seinen Lebenswandel vor, / was er getan hat, wer vergilt es ihm?
32 Er aber wird zur Gruft geleitet, / bei seinem Grab hält man die Wacht.
33 Ein Labsal sind für ihn die Schollen des Schachts, / hinter ihm her zieht alle Welt, / vor ihm eine Menge ohne Zahl.
34 Wie wollt ihr mich mit Nichtigem trösten? / Eure Antworten bleiben Betrug.
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