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Elberfelder Bibel
Elberfelder 2006
Absaloms Rückkehr und Begnadigung
1 Als nun Joab, der Sohn der Zeruja, erkannte, dass das Herz des Königs auf Absalom {gerichtet} war,
2 da sandte[4]Andere üs. mit T. : Der König David hörte auf, mit Absalom zu hadern, denn er hatte sich über Amnon getröstet, dass er tot war. Und Joab, der Sohn der Zeruja, merkte, dass das Herz des Königs an Absalom {hing}. Da sandte Joab nach Tekoa und ließ von dort eine kluge Frau holen und sagte zu ihr: Stell dich doch wie eine Trauernde und zieh Trauerkleider an und salbe dich nicht mit Öl und benimm dich wie eine Frau, die schon viele Tage über einen Toten trauert!
3 Geh dann zum König hinein und rede zu ihm nach folgendem Wort! Und Joab legte ihr die Worte in den Mund.
4 Und die Frau aus Tekoa kam[5]so mit den meisten hebr. Handschr. und den alten Üs. ; Mas. T. : sagte zum König. Und sie fiel auf ihr Gesicht zur Erde und huldigte ihm und sagte: Hilf[6]o. Rette, o König!
5 Und der König sprach zu ihr: Was {fehlt} dir? Da sagte sie: Ach, ich bin eine Witwe, und mein Mann ist gestorben.
6 Und deine Magd hatte zwei Söhne, und sie rauften sich beide auf dem Feld, und da kein Retter zwischen ihnen war, schlug der eine den andern nieder und tötete ihn.
7 Und siehe, die ganze Sippe ist gegen deine Magd aufgestanden, und sie sagen: Gib den heraus, der seinen Bruder erschlagen hat, damit wir ihn töten für die Seele seines Bruders, den er umgebracht hat, dass wir {so} auch den Erben ausrotten! Und so wollen sie meine Kohle auslöschen, die mir übrig geblieben ist, um meinem Mann weder Namen noch Nachkommen[7]w. Rest auf der Fläche des Erdbodens zu lassen.
8 Da sagte der König zu der Frau: Geh in dein Haus! Ich selbst werde deinetwegen Befehl geben.
9 Und die Frau aus Tekoa sagte zum König: Auf mir, mein Herr und König, und auf dem Haus meines Vaters {wird nun} die Schuld {liegen} ; der König aber und sein Thron werden schuldlos sein!
10 Da sagte der König: Wer gegen dich redet, den bring zu mir! Er soll dich künftig nicht mehr antasten.
11 Sie aber sagte: Der König gedenke doch des Herrn, deines Gottes, damit der Bluträcher nicht noch mehr Verderben anrichtet und man meinen Sohn nicht ausrottet! Und er sagte: So wahr der Herr lebt, wenn von den Haaren deines Sohnes {eines} auf die Erde fällt[8]Der Satz ist eine hebr. Schwurformel, deren zweite Hälfte, eine Verwünschung, nicht ausgesprochen wurde.!
12 Und die Frau sagte: Lass doch deine Magd ein Wort zu meinem Herrn, dem König, reden! Er sagte: Rede!
13 Da sagte die Frau: Und warum beabsichtigst du so etwas gegen das Volk Gottes? Denn da der König dieses Wort geredet hat, ist er einem Schuldbeladenen gleich[9]so mit der aram. Üs. ; Mas. T. : Denn der König rede ja nicht dieses Wort! Einem Schuldbeladenen {ist er} gleich, indem der König den von ihm Verstoßenen nicht zurückkehren lässt.
14 Denn sterben müssen wir und sind wie Wasser, das auf die Erde geschüttet wird und das man nicht wieder sammeln kann. Aber Gott will nicht das Leben wegnehmen, sondern er hat die Absicht, dass der Verstoßene nicht {auch} von ihm weg verstoßen bleibt.
15 Nun denn, dass ich gekommen bin, um dieses Wort zu dem König, meinem Herrn, zu reden, {geschah, } weil das Volk mich in Furcht versetzt hat. Da sagte {sich} deine Magd: Ich will doch zum König reden, vielleicht wird der König das Wort seiner Sklavin tun.
16 Denn der König wird {darauf} hören, um seine Sklavin aus der Faust des Mannes zu retten, der mich samt meinem Sohn aus dem Erbteil Gottes ausrotten will.
17 Und deine Magd sagte {sich}: Das Wort meines Herrn, des Königs, möge doch zur Beruhigung {für mich} sein. Denn wie der Engel Gottes, so ist mein Herr, der König, um das Gute und das Böse anzuhören. Und der Herr, dein Gott, sei mit dir!
18 Da antwortete der König und sagte zu der Frau: Verschweige mir doch ja nichts {von dem} , wonach ich dich {jetzt} frage! Die Frau sagte: Mein Herr, der König, möge doch reden!
19 Der König sagte: Ist in alledem die Hand Joabs mit dir? Da antwortete die Frau und sagte: So wahr deine Seele lebt, mein Herr und König, wenn jemand nach rechts oder nach links ausweichen kann vor allem, was mein Herr, der König, redet[1]Der Satz ist eine hebr. Schwurformel, deren zweite Hälfte, eine Verwünschung, nicht ausgesprochen wurde.! Ja, dein Knecht Joab, er hat mir Befehl gegeben, und er hat deiner Magd all diese Worte in den Mund gelegt.
20 Um der Sache ein anderes Gesicht zu geben, hat dein Knecht Joab dieses Wort ausgemacht[2]o. diese Sache getan. Aber mein Herr ist weise, gleich der Weisheit des Engels Gottes, dass er alles erkennt, was auf Erden {geschieht}.
21 Und der König sagte zu Joab: Siehe doch, ich tue diese {deine} Sache[3]Viele hebr. Handschr. überliefern: du hast diese Sache getan. So geh nun hin, lass den Jungen, den Absalom, zurückkehren!
22 Da fiel Joab auf sein Angesicht zur Erde und huldigte ihm und segnete den König[4]o. dankte dem König; o. pries den König. Und Joab sagte: Heute erkennt dein Knecht, dass ich Gunst gefunden habe in deinen Augen, mein Herr und König, da der König das Wort[5]o. die Sache seines Knechtes getan hat.
23 Und Joab machte sich auf und ging nach Geschur und brachte Absalom nach Jerusalem zurück.
24 Aber der König sagte: Er soll sich zu seinem Haus wenden, mein Angesicht soll er nicht sehen. Da wandte sich Absalom zu seinem Haus, und das Angesicht des Königs sah er nicht.
25 In ganz Israel aber gab es keinen Mann so schön wie Absalom {und} so sehr zu rühmen. Von seiner Fußsohle bis zu seinem Scheitel war kein Makel an ihm.
26 Und wenn er sein Haupt scheren ließ – es geschah nämlich am Ende jedes Jahres[6]o. nach Ablauf einer gewissen Zeit, dass er es scheren ließ, denn es war ihm zu schwer, so ließ er es scheren –, dann wog sein Haupthaar zweihundert Schekel nach königlichem Gewicht.
27 Und dem Absalom wurden drei Söhne geboren und eine Tochter, ihr Name war Tamar. Sie war eine Frau von schönem Aussehen.
28 Und Absalom wohnte in Jerusalem zwei volle Jahre und hatte das Angesicht des Königs {noch} nicht gesehen.
29 Da sandte Absalom zu Joab, um ihn zum König zu schicken, aber er wollte nicht zu ihm kommen. Und er sandte noch ein zweites Mal, aber er wollte {wieder} nicht kommen.
30 Da sagte er zu seinen Knechten: Seht, das Feld[7]w. der Losanteil {am Land} Joabs ist an meiner Seite. Er hat dort Gerste. Geht hin und steckt es in Brand! Und die Knechte Absaloms steckten das Feld in Brand.
31 Da machte Joab sich auf und kam zu Absalom ins Haus und sagte zu ihm: Warum haben deine Knechte das Feld, das mir gehört, in Brand gesteckt?
32 Und Absalom sagte zu Joab: Siehe, ich hatte zu dir geschickt und {dir} sagen lassen: Komm her, ich will dich zum König schicken, um {ihm} zu sagen: Wozu bin ich von Geschur hergekommen? Besser wäre es für mich, ich wäre noch dort. Jetzt aber will ich das Angesicht des Königs sehen. Und wenn es an mir eine Schuld gibt, dann soll er mich töten.
33 Da begab sich Joab zum König und berichtete es ihm. Und er rief Absalom. Der kam zum König und beugte sich tief auf sein Angesicht zur Erde vor ihm, vor dem König, und der König küsste Absalom.
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen
Gute Nachricht Bibel
Gute Nachricht Bibel 2018
1 Joab merkte, dass der König seinen Sohn Abschalom zu vermissen begann.
2 Er ließ deshalb aus dem Dorf Tekoa eine weise Frau holen und sagte zu ihr: »Du sollst die Rolle einer abgehärmten Frau spielen! Zieh Trauerkleider an, lass dein Gesicht ungesalbt und stelle dich so, als ob du schon lange um einen Toten trauertest.
3 Dann geh zum König und sprich mit ihm genau nach meiner Anweisung.« Joab instruierte sie, was sie tun und sagen sollte.
4 Als die Frau zum König kam, warf sie sich vor ihm nieder, das Gesicht zur Erde, und sagte: »Hilf mir, mein König!«
5 »Wo fehlt es?«, fragte er und sie erzählte: »Ich bin eine arme Witwe; mein Mann ist tot.
6 Ich hatte zwei Söhne, die gerieten eines Tages auf dem Feld miteinander in Streit. Weil niemand in der Nähe war, der dazwischentreten konnte, kam es so weit, dass der eine den andern erschlug.
7 Nun haben sich alle Verwandten zusammengetan und verlangen, dass ich ihnen den noch lebenden Sohn herausgebe. Sie wollen ihn töten, weil er seinen Bruder umgebracht hat. Aber dann stehe ich ohne Sohn und Erben da. Sie werden mir den letzten Funken Hoffnung auslöschen und es dahin bringen, dass niemand übrig bleibt, der in Zukunft noch den Namen meines Mannes trägt und dafür sorgt, dass die Familie nicht ausstirbt.«
8 »Geh ruhig nach Hause«, antwortete der König. »Ich werde die nötigen Anordnungen treffen.«
9 »Mein Herr und König«, sagte die Frau, »aber ich und meine Familie werden dann doch als Rechtsbrecher dastehen; denn dem König selbst wird niemand etwas vorzuwerfen wagen.«
10 Der König erwiderte: »Wenn dich jemand deswegen belästigt, dann bring ihn zu mir, und er wird dich künftig in Ruhe lassen.«
11 Sie aber sagte: »Wiederhole deine Zusage und rufe dabei den HERRN, deinen Gott, als Zeugen an! Nur dann bin ich sicher, dass der Bluträcher mein Unglück nicht noch größer macht und mein zweiter Sohn auch umgebracht wird.« »So gewiss der HERR lebt«, erklärte David, »deinem Sohn soll kein Haar gekrümmt werden.«
12 »Mein Herr und König«, fuhr nun die Frau fort, »darf ich noch etwas sagen?« »Sprich!«, sagte der König
13 und sie begann: »Warum willst du am Volk Gottes genau dasselbe Unrecht begehen? Nach der Entscheidung, die du, mein König, soeben getroffen hast, stehst du selbst wie ein Schuldiger da, wenn du deinen verbannten Sohn nicht zurückkehren lässt.
14 Wir müssen doch alle einmal sterben; es geht uns wie dem Wasser, das auf die Erde geschüttet wird und darin versickert: Das Leben lässt sich nicht wieder zurückholen. Aber Gott will nicht, dass noch mehr Leben zerstört wird. Deshalb ist er darauf aus, dass ein Verbannter nicht für immer in der Verbannung bleibt – womit er ja auch aus seiner Nähe verbannt ist.
15 Mein Herr und König, ich bin mit meinem Anliegen zu dir gekommen, weil meine Verwandten mir solche Angst eingejagt haben. Da sagte ich mir: Ich will meine Sache dem König vortragen, vielleicht wird er mir helfen.
16 Er wird gewiss auf meine Bitte eingehen, dachte ich; er wird mich vor dem Mann retten, der meinen Sohn töten und damit auch mich aus unserem Erbbesitz drängen will.
17 Ich dachte, die Entscheidung meines Herrn und Königs wird mir Ruhe verschaffen; denn mein König ist so unbestechlich wie der Engel Gottes und entscheidet unparteiisch über Recht und Unrecht. Möge der HERR, dein Gott, dir auch weiterhin beistehen!«
18 Der König erwiderte der Frau: »Ich will dich etwas fragen, aber du darfst mir nichts verschweigen!« »Frag nur, mein Herr und König!«
19 »Nun, hat hier nicht Joab seine Hand mit im Spiel?« »Wahrhaftig, mein Herr und König!«, rief die Frau. »Es ist unmöglich, etwas vor dir, meinem Herrn, zu verbergen. Ja, dein Heerführer Joab hat mich hergeschickt und mir genau erklärt, was ich sagen und tun soll.
20 Er wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Aber mein Herr und König ist so weise wie der Engel Gottes, er durchschaut alles, was auf Erden vor sich geht.«
21 Darauf sagte der König zu Joab: »Gut, ich erfülle deine Bitte. Geh und hol mir den Jungen, den Abschalom, zurück!«
22 Joab warf sich vor David zu Boden, das Gesicht zur Erde, und sagte: »Gott segne dich dafür, mein König! Jetzt weiß ich, dass du mir freundlich gesinnt bist, weil du meinen Wunsch erfüllt hast.«
Abschalom überwindet den Groll seines Vaters
23 Joab ging sofort nach Geschur und brachte Abschalom nach Jerusalem zurück.
24 Der König aber befahl: »Er soll in sein Haus gehen; ich empfange ihn nicht!« So lebte Abschalom wieder in seinem Haus, aber zum König wurde er nicht vorgelassen.
25 In ganz Israel gab es keinen Mann, der so schön war und so sehr bewundert wurde wie Abschalom. Vom Scheitel bis zur Sohle war alles an ihm vollkommen.
26 Wenn er sein Haar schneiden ließ – und das geschah einmal im Jahr, wenn es ihm zu schwer wurde –, dann wog das abgeschnittene Haar jedes Mal fünf Pfund.
27 Er hatte drei Söhne und eine Tochter namens Tamar, eine sehr schöne Frau.
28 Abschalom lebte nun schon zwei Jahre in Jerusalem, ohne seinen Vater gesehen zu haben.
29 Da ließ er Joab zu sich rufen, damit er beim König ein Wort für ihn einlege; aber Joab wollte nicht zu ihm kommen. Noch ein zweites Mal schickte er nach Joab, aber auch diesmal wollte er nicht kommen.
30 Da sagte Abschalom zu seinen Knechten: »Das Feld Joabs liegt neben meinem eigenen. Es wächst Gerste darauf. Geht hin und zündet es an!« Die Knechte führten den Befehl aus und steckten das Feld in Brand.
31 Darauf kam Joab sofort zu Abschalom ins Haus und fragte ihn: »Warum haben deine Knechte meine Gerste angezündet?«
32 »Weil du nicht gekommen bist, als ich nach dir schickte«, antwortete Abschalom. »Ich wollte dich bitten, zum König zu gehen und ein Wort für mich einzulegen. Du sollst ihn in meinem Namen fragen: ›Wozu bin ich eigentlich von Geschur zurückgekommen! Ich wäre besser dort geblieben.‹ Sag dem König, dass ich ihn nun endlich sehen möchte. Wenn er mich für schuldig hält, soll er mich töten.«
33 Joab ging zum König und richtete ihm die Botschaft aus. Da ließ der König Abschalom holen. Der kam und warf sich vor ihm zu Boden, das Gesicht zur Erde, und der König küsste ihn.
Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart