ELB, GNB online lesen
Elberfelder Bibel
Elberfelder 2006
Klage über Gottes Verhalten in der schweren Heimsuchung
1 Es ekelt mich[13]w. Es ekelt meine Seele vor meinem Leben. Ich will meinen Kummer[7]o. mein Anliegen von mir lassen, will reden in der Bitterkeit meiner Seele.
2 Ich sage zu Gott: Verdamme mich nicht! Lass mich wissen, warum du mich vor Gericht ziehst!
3 Ist das gut für dich[14]o. Nützt es dir, dass du Unterdrückung übst, dass du die Arbeit deiner Hände verwirfst und {dein Licht} über dem Rat der Gottlosen leuchten lässt?
4 Hast du Menschenaugen[15]w. Augen des Fleisches, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?
5 Sind deine Tage wie die Tage eines Menschen oder deine Jahre wie die Tage eines Mannes,
6 dass du nach meiner Schuld suchst und nach meiner Sünde forschst,
7 obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin, und niemand da ist, der aus deiner Hand retten kann?
8 Deine Hände haben mich ganz gebildet und gestaltet um und um, und {nun} verschlingst du mich[16]o. in Anlehnung an LXX und syr. Üs. : Deine Hände haben mich gebildet und gemacht, und danach wendest du dich um und verschlingst mich!
9 Bedenke doch, dass du mich wie Ton gestaltet hast! Und {jetzt} willst du mich zum Staub zurückkehren lassen!
10 Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich gerinnen lassen?
11 Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten.
12 Leben und Gnade hast du mir gewährt[17]o. an mir bewirkt, und deine Obhut bewahrte meinen Geist.
13 Doch dies verbargst du in deinem Herzen, ich habe erkannt, dass du dies im Sinn hattest[1]w. dass dieses bei dir {war}:
14 Wenn ich sündigte, so würdest du mich beobachten und mich nicht von meiner Schuld freisprechen.
15 Wenn ich schuldig wäre – wehe mir! Und wäre ich im Recht, dürfte ich mein Haupt {doch} nicht erheben, gesättigt mit Schande und getränkt mit Elend[2]T. ; Mas. T. : gesättigt mit Schande und siehe mein Elend.
16 Und richtete es sich auf, wie ein Löwe würdest du mich jagen und dich wieder als wunderbar an mir erweisen[3]d. h. so handeln, dass ich es nicht verstehen kann.
17 Du würdest neue Zeugen gegen mich aufstellen[4]w. deine Zeugen gegen mich erneuern und deinen Zorn über mich vergrößern. Ein ständig sich ablösendes Heer {kämpft} gegen mich[5]w. Ablösungen und ein Heer gegen mich. – LXX: Heerscharen hast du gegen mich geführt.
18 Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgezogen? Wäre ich doch umgekommen, so hätte mich kein Auge gesehen!
19 Als wenn ich nie gewesen, so wäre ich {dann} ; vom Mutterschoß wäre ich zu Grabe geleitet worden!
20 Sind meine Tage nicht {nur noch} wenige? Er lasse {doch} ab, wende sich von mir, dass ich ein wenig fröhlich werde,
21 ehe ich hingehe – und nicht wiederkomme – in das Land der Finsternis und des Todesschattens,
22 in das Land, schwarz wie die Dunkelheit, {das Land} der Finsternis – {da ist} keine Ordnung –, und {selbst} das Hellwerden ist {dort} wie Dunkelheit!
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen
Gute Nachricht Bibel
Gute Nachricht Bibel 2018
Gott will mich schuldig sehen
1 Es ekelt mich vor diesem ganzen Leben, drum halt ich meine Klage nicht zurück; es muss heraus, was mich verzweifeln lässt!
2 Du kannst mich doch nicht einfach schuldig sprechen! Gott, sag mir jetzt, was wirfst du mir denn vor?
3 Was bringt es dir, dass du so grausam bist? Verachtest du, was du geschaffen hast, und lässt gelingen, was Verbrecher planen?
4 Siehst du denn auch nicht mehr, als Menschen sehen, und urteilst so beschränkt, wie wir es tun?
5 Dein Leben ist doch nicht wie unser Leben, du zählst es nicht wie wir nach kurzen Jahren.
6 Was suchst du dann so eilig meine Schuld und spürst voll Eifer meinen Sünden nach,
7 obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin und niemand mich aus deiner Hand errettet?
8 Mit deinen Händen hast du mich gestaltet und nun verschlingst du mich mit Haut und Haar.
9 Vergiss es nicht: Du formtest mich wie Ton. Willst du mich jetzt in Staub zurückverwandeln?
10 Wie Milch hast du mich damals hingegossen, im Mutterleib mich Form annehmen lassen.
11 Mit Haut und Muskeln hast du mich umgeben, aus Knochen und aus Sehnen mich geflochten.
12 Das Leben gabst du mir und deine Liebe; dein Schutz bewahrte meinen Lebensgeist.
13 Und doch, ich weiß, dass du bei alledem ganz im Geheimen etwas anderes plantest:
14 Du wolltest sehen, ob ich schuldig würde, um mir dann jeden Fehler vorzuhalten.
15 Tu ich nun Unrecht, so ergeht’s mir schlecht. Tu ich das Rechte, lässt du’s auch nicht gelten. Von Schmach und Schande bin ich wie benommen.
16 Gelingt mir etwas und ich fühle Stolz, so machst du wie ein Löwe Jagd auf mich und ängstigst mich mit deiner Übermacht.
17 Dir fehlt es nie an Zeugen gegen mich, damit du Grund hast, mir noch mehr zu grollen und immer neue Strafen zu verhängen.
18 Warum, Gott, hast du mich ans Licht geholt, hervorgezogen aus dem Leib der Mutter? Wär ich gestorben, eh’ ein Mensch mich sah!
19 Vom Schoß der Mutter gleich hinein ins Grab, das wäre so, als wär ich nie gewesen!
20 Ich habe nur noch kurze Zeit zu leben; lass mich in Frieden diesen Rest genießen!
21 Bald geh ich fort ins dunkle Land der Toten, aus dem es niemals eine Rückkehr gibt,
22 ins Land, wo Finsternis und Chaos herrschen und selbst das Licht so schwarz ist wie die Nacht.«
Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart