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Elberfelder Bibel

Elberfelder 2006

Unbegreifliche Nachsicht Gottes mit den Gottlosen

1 Warum sind dem Allmächtigen die Zeiten nicht unbekannt[3]w. nicht verborgen, aber die, die ihn kennen, schauen seine Tage nicht?

2 Die Grenzen verrückt man, raubt eine Herde und bringt sie auf die Weide.

3 Den Esel der Waisen treibt man weg, pfändet der Witwe den Stier.

4 Man stößt die Armen vom Weg; miteinander müssen sich die Elenden des Landes verkriechen.

5 Siehe, {scheu wie} Wildesel in der Wüste ziehen sie hinaus an ihr Werk, suchen nach Nahrung {in} der Steppe als Brot[4]T. ; Mas. T. : suchen Nahrung; die Steppe {liefert} ihm Brot für die Kinder.

6 Auf dem Feld ernten sie sein Futter ab[5]d. h. das Futter, das auf dem Feld wächst; o. das Futter, das dem Gottlosen gehört. – Andere üs. mit Textänderung: Auf dem Feld ernten sie bei Nacht und halten im Weinberg des Gottlosen Nachlese.

7 Nackt übernachten sie, ohne Gewand und ohne Decke in der Kälte,

8 werden vom Regenguss der Berge durchnässt, und ohne Zufluchtsort klammern sie sich an den Fels.

9 Man reißt das Waisenkind {der Mutter} von der Brust, und den Säugling des Elenden[6]so mit anderer Vokalisierung; Mas. T. : und was auf dem Elenden ist nimmt man als Pfand.

10 Nackt müssen sie einhergehen, ohne Gewand, und hungrig die Garben schleppen.

11 Zwischen ihren Mauern[7]d. i. zwischen den Mauern der Gottlosen; d. h. gleich in deren Olivenhainen pressen sie Öl, treten die Kelter und leiden Durst.

12 Von der Stadt her ächzen Sterbende[8]so mit einer hebr. Handschr. ; Mas. T. : die Leute, und die Seele der Durchbohrten schreit auf[9]o. die Seele der Durchbohrten ruft um Hilfe o. schreit nach Rache. Doch Gott nimmt keinen Anstoß daran[10]2 hebr. Handschr. und die syr. Üs. : Doch Gott achtet nicht auf {ihr} Flehen.

13 Jene gehören zu den Feinden des Lichtes, nichts wollen sie von seinen Wegen wissen und bleiben nicht auf seinen Pfaden.

14 Vor dem Tageslicht steht der Mörder auf, um den Elenden und Armen zu töten, und in der Nacht geht der Dieb um[11]T. ; Mas. T. : und in der Nacht gleicht er dem Dieb.

15 Auch des Ehebrechers Auge lauert auf die Abenddämmerung, indem er sagt: Kein Auge kann mich dann erspähen. Und eine Hülle legt er aufs Gesicht.

16 Man bricht im Dunkeln in die Häuser ein. Bei Tage schließen sie sich ein, Licht kennen sie nicht.

17 Denn ihnen allen miteinander {gilt} als Morgen die Finsternis; ja, {jeder von ihnen} kennt die Schrecken der Finsternis.

18 Leicht {treibt} er {dahin wie} auf der Oberfläche des Wassers, verflucht wird ihr {Feld} stück auf Erden; nicht {mehr} schlägt er den Weg zu den Weinbergen ein.

19 Dürre und Hitze raffen Schneewasser weg; {so} der Scheol {alle} , die gesündigt haben.

20 Ihn vergisst der Mutterleib. Gewürm labt sich an ihm, nie mehr wird seiner gedacht – so muss das Unrecht wie Holz zerbrechen –,

21 er, der sich mit der Unfruchtbaren eingelassen hatte, die nicht gebiert, und der Witwe nichts Gutes erwies.

22 {Gott} erhält durch seine Kraft den Mächtigen[1]w. die Mächtigen am Leben; der steht auf, auch {wenn} er {schon} des Lebens nicht mehr sicher war[2]o. {Gott} rafft durch seine Kraft den Mächtigen dahin; erhebt er sich, so ist der {seines} Lebens nicht mehr sicher.

23 Er[3]d. i. Gott gibt ihm Sicherheit, und der weiß sich gestützt. Und seine[4]d. i. Gottes Augen {wachen} über ihren Wegen.

24 Sie kommen hoch – ein wenig, dann ist es aus. Sie werden erniedrigt, wie alle {andern} zusammengerafft und wie der Kopf der Ähre abgeschnitten[5]o. und verdorren wie der Kopf der Ähre.

25 Ist es denn nicht so? Wer will mich Lügen strafen und meine Rede zunichtemachen?

Lutherbibel

Lutherbibel 2017

1 Warum sind von dem Allmächtigen nicht Zeiten vorbehalten, und warum sehen, die ihn kennen, seine Tage nicht?

2 Die Frevler verrücken die Grenzen, rauben die Herde und weiden sie.

3 Sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Rind der Witwe zum Pfande.

4 Sie stoßen die Armen vom Wege, und die Elenden im Lande müssen sich verkriechen.

5 Siehe, wie Wildesel in der Wüste gehen sie hinaus an ihr Werk und suchen Nahrung; die Einöde gibt ihnen Speise für ihre Kinder.

6 Sie ernten des Nachts auf dem Acker und halten Nachlese im Weinberg des Gottlosen.

7 Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im Frost.

8 Sie triefen vom Regen in den Bergen und drängen sich an die Felsen, weil sie sonst keine Zuflucht haben.

9 Man reißt das Waisenkind von der Mutterbrust und nimmt den Säugling der Armen zum Pfande.

10 Nackt gehen sie einher ohne Kleider, und hungrig tragen sie Garben.

11 Gleich in den Gärten pressen sie Öl, sie treten die Kelter und leiden doch Durst.

12 Aus der Stadt seufzen Menschen, und die Seele der Erschlagenen schreit. Doch Gott achtet nicht darauf!

13 Sie sind Feinde des Lichts geworden, kennen seine Wege nicht und bleiben nicht auf seinen Pfaden.

14 Wenn der Tag anbricht, steht der Mörder auf und erwürgt den Elenden und Armen, und des Nachts schleicht der Dieb.

15 Das Auge des Ehebrechers lauert auf das Dunkel, und er denkt: »Mich sieht kein Auge!«, und verdeckt sein Antlitz.

16 Im Finstern bricht man in die Häuser ein; am Tage verbergen sie sich und scheuen alle das Licht.

17 Ja, als Morgen gilt ihnen allen die Finsternis, denn sie sind bekannt mit den Schrecken der Finsternis.

18 Er fährt leicht wie auf dem Wasser dahin, verflucht wird sein Acker im Lande, und man wendet sich seinem Weinberg nicht zu.

19 Der Tod nimmt weg die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehrt.

20 Der Mutterschoß vergisst ihn; die Würmer laben sich an ihm. An ihn denkt man nicht mehr; so zerbricht Frevel wie Holz.

21 Er lässt sich mit der Unfruchtbaren ein, und sie gebiert nicht, und der Witwe tut er nichts Gutes.

22 Aber Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft; steht er auf, so werden sie ihres Lebens nicht gewiss sein.

23 Er gibt ihnen zwar Schutz und Halt, doch sehen seine Augen auf ihr Tun.

24 Sie sind hoch erhöht; aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht mehr da; sie sinken hin und werden hinweggerafft wie alle; wie die Spitzen der Ähren werden sie abgeschnitten.

25 Ist’s nicht so? Wer will mich Lügen strafen und erweisen, dass meine Rede nichts sei?

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