Vom Leiden zur Heilung: Die Geschichte Hiobs (4/4)

Antworten mit Bayless Conley

Vermutlich denken viele Menschen beim Namen Hiob zuerst an Not und Leiden anstatt an Hoffnung und...

Gott will mich schuldig sehen

101Es ekelt mich vor diesem ganzen Leben,

drum halt ich meine Klage nicht zurück;

es muss heraus, was mich verzweifeln lässt!

2Du kannst mich doch nicht einfach schuldig sprechen!

Gott, sag mir jetzt, was wirfst du mir denn vor?

3Was bringt es dir, dass du so grausam bist?

Verachtest du, was du geschaffen hast,

und lässt gelingen, was Verbrecher planen?

4Siehst du denn auch nicht mehr, als Menschen sehen,

und urteilst so beschränkt, wie wir es tun?

5Dein Leben ist doch nicht wie unser Leben,

du zählst es nicht wie wir nach kurzen Jahren.

6Was suchst du dann so eilig meine Schuld

und spürst voll Eifer meinen Sünden nach,

7obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin

und niemand mich aus deiner Hand errettet?

8Mit deinen Händen hast du mich gestaltet

und nun verschlingst du mich mit Haut und Haar.

9Vergiss es nicht: Du formtest mich wie Ton.

Willst du mich jetzt in Staub zurückverwandeln?

10Wie Milch hast du mich damals hingegossen,

im Mutterleib mich Form annehmen lassen.

11Mit Haut und Muskeln hast du mich umgeben,

aus Knochen und aus Sehnen mich geflochten.

12Das Leben gabst du mir und deine Liebe;

dein Schutz bewahrte meinen Lebensgeist.

13Und doch, ich weiß, dass du bei alledem

ganz im Geheimen etwas anderes plantest:

14Du wolltest sehen, ob ich schuldig würde,

um mir dann jeden Fehler vorzuhalten.

15Tu ich nun Unrecht, so ergeht's mir schlecht.

Tu ich das Rechte, lässt du's auch nicht gelten.

Von Schmach und Schande bin ich wie benommen.

16Gelingt mir etwas und ich fühle Stolz,

so machst du wie ein Löwe Jagd auf mich

und ängstigst mich mit deiner Übermacht.

17Dir fehlt es nie an Zeugen gegen mich,

damit du Grund hast, mir noch mehr zu grollen

und immer neue Strafen zu verhängen.

18Warum, Gott, hast du mich ans Licht geholt,

hervorgezogen aus dem Leib der Mutter?

Wär ich gestorben, eh' ein Mensch mich sah!

19Vom Schoß der Mutter gleich hinein ins Grab,

das wäre so, als wär ich nie gewesen!

20Ich habe nur noch kurze Zeit zu leben;

lass mich in Frieden diesen Rest genießen!

21Bald geh ich fort ins dunkle Land der Toten,

aus dem es niemals eine Rückkehr gibt,

22ins Land, wo Finsternis und Chaos herrschen

und selbst das Licht so schwarz ist wie die Nacht.«