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Ijob: Gott tut mir unrecht …

191Ijob antwortete:

2»Wie lange redet ihr noch auf mich ein?

Wie lange wollt ihr mich mit Worten quälen?

3Ihr habt mich nun schon viel zu oft beschimpft

und schämt euch nicht, mich zu beleidigen.

4Wenn ich unwissend einen Fehler machte,

dann bin doch ich allein davon betroffen.

5Ihr aber spielt euch auf als meine Richter,

nehmt meine Leiden als Beweis der Schuld.

6Seht ihr nicht ein, dass Gott mir unrecht tut?

Mit einem Netz hat er mich eingefangen.

7Ich schrei um Hilfe, aber niemand hört.

Ich will mein Recht, doch keiner steht mir bei.

8Den Weg sperrt Gott mir ab, ich kann nicht weiter;

er lässt mich mitleidslos im Dunkeln tappen.

9Gott hat mir meinen Wohlstand fortgenommen

und meine Ehre in den Schmutz getreten.

10Ringsum reißt er mich ein wie eine Mauer,

wie einen Baum entwurzelt er mein Hoffen,

schickt mich hinunter in die Totenwelt.

11Sein ganzer Zorn ist gegen mich entbrannt,

er setzt mir zu, als wäre ich sein Feind.

12Geschlossen rückt sein Heer zum Angriff vor,

rings um mein Zelt errichtet es sein Lager.

13Gott hält selbst meine Brüder von mir fern,

Bekannte tun, als wär ich ihnen fremd.

14Die Freunde und Verwandten bleiben aus,

sie alle haben mich ganz schlicht vergessen.

15Die Gäste meines Hauses und die Mägde

behandeln mich wie einen völlig Fremden,

als käme ich aus einem fernen Volk.

16Mein Knecht gibt keine Antwort, wenn ich rufe;

um jeden Dienst muss ich ihn lange bitten.

17Mein Atem ist für meine Frau Gestank

und meine Brüder ekeln sich vor mir.

18Selbst Kinder haben keine Achtung mehr;

quäl ich mich hoch, so machen sie sich lustig.

19Die engsten Freunde zeigen nichts als Abscheu.

Ich liebte sie, doch sie befehden mich.

20Nur Haut und Knochen sind an mir zu sehen

und mein Gesicht gleicht einem Totenkopf.

21Ihr seid doch meine Freunde! Habt Erbarmen!

Was mich zu Boden schlug, war Gottes Hand!

22Warum verfolgt ihr mich so hart wie er?

Habt ihr mich denn noch nicht genug gequält?

23Ich wünschte, jemand schriebe alles auf,

dass meine Worte festgehalten würden,

24mit einem Meißel in den Fels gehauen,

mit Blei geschwärzt, damit sie ewig bleiben!

… aber er wird mir recht geben

25Doch nein, ich weiß, dass Gott, mein Anwalt, lebt!

Er spricht das letzte Wort hier auf der Erde.

26-27Jetzt, wo die Haut in Fetzen an mir hängt

und ich kein Fleisch mehr auf den Knochen habe,

jetzt möchte ich ihn sehn mit meinen Augen,

ihn selber will ich sehen, keinen Fremden!

Mein Herz vergeht in mir vor lauter Sehnsucht!

28Ihr überlegt, wie ihr mich quälen könnt

und in mir selbst den Grund des Übels findet.

29Doch seht euch vor, dass euch das Schwert nicht trifft;

denn solche Schuld verdient die Todesstrafe.

Vergesst es nicht, dass Gott der Richter ist.«


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