Vom Leiden zur Heilung: Die Geschichte Hiobs (3/4)

Antworten mit Bayless Conley

Wer sich noch nie mit der Geschichte Hiobs beschäftigt hat, mag vielleicht vor all dem Leid, das ...

Ijob: Aus mir spricht die Verzweiflung!

61Ijob antwortete:

2»Wenn jemand meinen Kummer wiegen wollte

und meine Leiden auf die Waage legte –

3sie wären schwerer als der Sand am Meer.

Was Wunder, wenn ich wirre Reden führe!

4Die Pfeile Gottes haben mich getroffen

und meinen Geist mit ihrem Gift verstört.

Die Schrecken Gottes haben mich umzingelt,

ein Heer von Feinden, aufmarschiert zur Schlacht.

5Kein Esel schreit auf saftig grüner Weide

und jeder Stier ist still, hat er sein Futter.

6Doch wer mag ungesalzne Speisen essen?

Wem schmeckt der weiße Schleim von einem Ei?

7Wie solche Nahrung mir ein Ekel ist,

genauso ungenießbar ist mein Leid!

8Warum gibt Gott mir nicht, was ich erbitte?

Und warum tut er nicht, worauf ich warte?

9Wenn er sich doch entschlösse, mich zu töten

und mir den Lebensfaden abzuschneiden!

10Darüber würde ich vor Freude springen,

das wäre mir ein Trost in aller Qual.

Was er, der Heilige, befohlen hat,

dagegen hab ich niemals rebelliert.

11Woher nehm ich die Kraft, noch auszuhalten?

Wie kann ich leben ohne jede Hoffnung?

12Ist etwa meine Kraft so fest wie Stein?

Sind meine Muskeln denn aus Erz gemacht?

13Ich selber weiß mir keine Hilfe mehr,

ich sehe niemand, der mich retten könnte.

14Wer so am Boden liegt, braucht treue Freunde,

dass er nicht aufhört, sich an Gott zu halten.

15Doch ihr enttäuscht mich wie die Steppenflüsse,

die trocken werden, wenn es nicht mehr regnet.

16Wenn Eis und Schnee in Frühjahrswärme schmelzen,

dann sind die Flüsse voll von trübem Wasser;

17doch in der Sommerhitze schwinden sie,

ihr Bett liegt leer und trocken in der Glut.

18Die Karawanen biegen ab vom Weg

und folgen ihnen, sterben in der Wüste.

19Aus Tema und aus Saba kamen sie,

sie spähten aus, sie wollten Wasser finden.

20Doch ihr Vertrauen wurde nicht belohnt:

An leeren Flüssen endete die Hoffnung.

21Für mich seid ihr genau wie diese Flüsse:

Weil ihr mein Unglück seht, weicht ihr zurück.

22Hab ich vielleicht um ein Geschenk gebeten,

müsst ihr für mich denn irgendwen bestechen?

23Sollt ihr Erpressern Lösegelder zahlen,

um mich aus ihren Händen freizukaufen?

24Belehrt mich doch, dann will ich gerne schweigen.

Wo hab ich mich vergangen? Sagt es mir!

25Durch Wahrheit bin ich leicht zu überzeugen,

doch euer Redeschwall beweist mir nichts!

26Wollt ihr mich wegen meiner Worte tadeln

und merkt nicht, dass Verzweiflung aus mir spricht?

27Ihr würdet noch um Waisenkinder würfeln

und euren besten Freund für Geld verschachern!

28Seht mir doch einmal richtig in die Augen!

Wie käme ich dazu, euch anzulügen?

29Hört auf zu richten, seid nicht ungerecht!

Noch habe ich das Recht auf meiner Seite!

30Ich gehe nicht zu weit mit meinen Worten,

ich kann doch Recht und Unrecht unterscheiden!