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Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918

Vor 100 Jahren, am 01. August 1914, trat das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg ein. Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts nahm ihren Lauf, die Kirchen in Deutschland gaben dazu ihren Segen. Dieser Krieg sollte das Gesicht Europas für immer verändern.

Dröhnend donnern die Geschütze der Artillerie, überall schreien Männer – manche vor Angst, andere vor Schmerzen. Die Ohren drohen zu zerplatzen. Das Trommelfeuer überzieht die Soldaten im Schützengraben mit grell zuckenden Blitzen und lässt den Himmel wanken. Wir schreiben das Jahr 1916, und Ernst Jünger erlebt den brutalen Stellungskrieg an der Somme in Nordfrankreich. Minen, Gas und Granaten: die Werkzeuge des Krieges lassen apokalyptische Mondlandschaften voller Leichen zurück, über die Jünger in seinem Kriegstagebuch schreibt: „Diese Gegend hatte doch vor kurzem noch Wiesen und Wälder und Kornfelder. Nichts mehr zu sehen aber auch gar nichts. [...] Und alles voll Toter, die hundertmal wieder umgedreht und von neuem zerrissen werden. [...] Keine drei Spatenstiche können wir vorn machen, ohne auf einen Körperteil zu stoßen.“ 

Zwei Jahre zuvor, am 01. August 1914, war Ernst Jünger und mit ihm hunderttausende begeisterter Kriegsfreiwilliger dem Mobilmachungsbefehl Kaiser Wilhelms II. gefolgt. Sie standen in langen Schlangen vor den Rathäusern im Deutschen Reich und schrieben sich für einen Krieg ein, der am Ende mehr als 17 Millionen Menschen das Leben kosten, ganze Gesellschaftssysteme sprengen und Europa in unfassbarem Elend zurücklassen sollte.

Ein verstörendes Relikt: das "Kriegsvaterunser"

Auch die Kirchen im Deutschen Reich haben ihre Meinung zu diesem Krieg. Die deutschen Bischöfe, evangelisch wie katholisch, lassen sich von der nationalistisch aufgeladenen Atmosphäre der Zeit mitreißen – und sichern dem Deutschen Kaiser, dem obersten Kriegsherrn, ihre uneingeschränkte Solidarität zu. Die Rede vom „gerechten Krieg“ macht die Runde, von der moralischen Richtigkeit eines bewaffneten Konflikts, der sich mit dem Kriegseintritt der USA 1917 zum ersten weltumspannenden Kampfgeschehen der Menschheitsgeschichte auswächst. Ein Beispiel für die Kriegsbegeisterung der Kirchen ist das „Kriegsvaterunser“ des Religionspädagogen Dietrich Vorwerk aus dem Jahr 1914 (siehe rechts). 

Die kritischen Stimmen, sie sind im evangelischen und katholischen Milieu rar gesät. Papst Benedikt XV. kann sich mit seinen visionären Einsichten nicht durchsetzen. Und der Theologe Karl Barth wundert sich 1914, dass „Vaterlandsliebe, Kriegslust und christlicher Glaube“ in ein hoffnungsloses Durcheinander geraten seien. Für die einfachen Feldgeistlichen bleibt oft nur der aufopferungsvolle Dienst an den Soldaten und der Zivilbevölkerung: Tote begraben, Verwundeten Beistand leisten, für Traumatisierte da sein.

Erster Weltkrieg als Mahnung der Geschichte

Und Ernst Jünger? Der 23-Jährige wird 1918 schwer verwundet und erlebt die letzten Tage des Ersten Weltkriegs bei seiner Familie in Rehburg. Seine Kriegstagebücher erscheinen unter dem TitelIn Stahlgewittern und begründen in den 1920er Jahren seinen Ruhm als Schriftsteller. Heutzutage, unter dem Eindruck zweier Weltkriege, wirkt das Kriegsvaterunser verstörend, und das Werk Ernst Jüngers ist umstritten.

100 Jahre nach seinem Ausbruch ist der Erste Weltkrieg eine Mahnung der Geschichte, auch für die Christen in Deutschland.

Sehen Sie Friedensethiker Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven über die Rolle der Kirchen im Ersten Weltkrieg in der Bibel TV Mediathek...