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Taizé-Thementag

„Jene Eingebung hat mich seit meiner Jugend wohl nie mehr verlassen: Ein Leben in Gemeinschaft kann ein Zeichen dafür sein, dass Gott Liebe und nur Liebe ist. Allmählich reifte in mir die Überzeugung, dass es darauf ankam, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, eine Gemeinschaft von Männern, die entschlossen sind, ihr ganzes Leben zu geben, und die versuchen, sich stets zu verstehen und zu versöhnen. Eine Gemeinschaft, in der es im Letzten um die Güte des Herzens und die Einfachheit geht." (Frère Roger)

Die christliche Brüdergemeinschaft Taizé ist seit dessen Gründung im Jahr 1944 ein Anziehungspunkt, nicht nur für junge Leute. Jedes Jahr zieht es Tausende Pilger aus aller Welt in das kleine Burgundische Dorf, um dort am spirituellen Leben der Kommunität teilzunehmen. Heute zählt die „Communauté de Taizé" an die hundert Brüder, Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen.

Bekannt wurde die ökumenische Gemeinschaft besonders durch die einfachen, meditativen Gebete und Gesänge, wie „Laudate Dominum" oder „Bendigo al Senor". „Mit Gesängen beten ist eine wesentliche Form der Suche nach Gott. Kurze, stets wiederholte Gesänge schaffen eine Atmosphäre, in der man gesammelt beten kann. Ihre Schönheit lässt - wie die Christen in der Ostkirche sagen - etwas von der 'Freude des Himmels auf der Erde' spüren", so die Brüder Frère Georg und Frère Richard im Gespräch mit Bibel TV.

Die Geschichte der Gemeinschaft begann 1940. Der Schweizer Roger Schutz kam mit 25 Jahren nach Frankreich, woher seine Mutter stammte. Viele Jahre lang hatte er an Lungentuberkulose gelitten. Während der Zeit der Krankheit wuchs in ihm der Wunsch, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen.
Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war ihm klar, dass er - wie es bereits seine Großmutter während des Ersten Weltkriegs getan hatte -Menschen zu Hilfe kommen möchte. Er ließ sich in dem kleinen Dorf Taizé, unweit der Demarkationslinie, nieder. Dort erwarb er mit einem bescheidenen Darlehen ein Haus mit Nebengebäuden, das seit Jahren leer stand. Da Taizé unweit der Demarkationslinie lag, die Frankreich damals teilte, war es ein geeigneter Ort, um Menschen aufzunehmen, die auf der Flucht waren. Unter den Flüchtlingen waren auch Juden. 
Von der Gestapo verfolgt, floh er nach Genf. 1944 kehrte er zurück nach Taizé und gründete mit anderen jungen Männern die Kommunität. Besondere Kennzeichen der Gemeinschaft sind das gemeinsame Leben in Ehelosigkeit, materielle und geistige Gütergemeinschaft und große Einfachheit. Die Brüder der Glaubensgemeinschaft leben bis heute als Zeugen des Friedens auch in kleinen Brüdergemeinden unter Menschen an benachteiligten Orten in Asien, Afrika und Südamerika. Ihr Ziel ist es unter den Ärmsten ein Zeichen der Liebe zu sein. 
Mit den Jahren ist die Popularität der Kommunität Taizé besonders unter jungen Leuten gestiegen. Zum 36. Europäischen Taizé-Jugendtreffen Ende Dezember 2013 in Straßburg werden 25.000 Teilnehmer erwartet.

Der Gründungsvater Frère Roger wurde am 16. August 2005 im Alter von 90 Jahren während des Abendgebets ermordet. Prior der Kommunität ist seitdem Frère Alois, den Frère Roger bereits Jahre zuvor zu seinem Nachfolger bestimmt hatte.