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Der Ökumenische Bibelleseplan

Ein Reiseführer durch die Bibel

Orientierung finden in Zeiten von Krisen und Entscheidungen. Kraft und Zuversicht tanken. Mehr über Gott und sein Wirken in der Welt erfahren. Das sind drei mögliche Gründe, in der Bibel zu lesen.

 

Ein Plan für Noch-nicht-Christen und langjährige Gläubige

Viele Christen berichten davon, dass sie durch das Lesen der Bibel zum Glauben an Jesus gefunden haben. Der berühmte Kirchenvater Augustinus (354-430) hörte eines Tages eine göttliche Stimme, die ihm sagte: „Nimm und lies!“ Es war der Beginn seiner Lebenswende vom Atheisten zum einflussreichsten Theologen der Antike. Ein Beispiel aus der Gegenwart ist der „Bibelraucher“ Wilhelm Buntz, der im Gefängnis Bibelseiten als Zigarettenpapier nutzte, dabei ins Lesen kam und zum christlichen Glauben fand.

Wer schon länger Christ ist, findet in der Bibel immer wieder aufs Neue Trost und Zuspruch, Herausforderung und Ermutigung, neue Impulse für das Leben und den Glauben. In den Worten der Heiligen Schrift selbst: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ (2. Tim 3,16f. hier in der Bibelthek)

Orientierung und Antworten auf viele Fragen

Wer sich in die Bibel vertiefen will, steht allerdings vor Fragen: Wo anfangen? Wie dranbleiben? Wie viel auf einmal lesen? Wie den Überblick behalten?

Um den Einstieg und das Dranbleiben leichter zu machen, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg im Vorgängerverein des CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) Bibellesepläne für die junge Generation. 1925 kamen der Verband der evangelischen weiblichen Jugend (Burckhardthaus), die Diakonissenhäuser und die Frauenhilfe in Deutschland hinzu.

Gemeinsames Ziel war es, vor allem in der jungen Generation die tägliche Bibellese zu fördern. In den 1930er Jahren schlossen sich weitere Verbände an: 1935 der Männerdienst der bekennenden Kirche, die sich von den Nationalsozialisten abgrenzte. 1938 kamen die methodistische Kirche und die Baptistengemeinden in Deutschland dazu. Über die Gestaltung des Bibelleseplans entschied ein gemeinsamer „Textplanausschuss“.

Immer mehr Verbände und Kirchen schließen sich an

Das Katholische Bibelwerk und die Bibelpastorale Arbeitsstelle der Berliner Ordinarienkonferenz in der DDR traten 1969 dem Textplanausschuss bei, daraus bildete sich 1970 die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen. Die volksmissionarischen Ämter und die Ämter für Gemeindedienst traten ein, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen, der Deutsche EC-Verband und der Verband Evangelischer Bibelgesellschaften entsandten ihre Beauftragten.

So entstand ein Bibelleseplan, der bis heute als Ökumenischer Bibelleseplan fortlebt. Das Prinzip: Für jeden Tag des Jahres wird ein überschaubarer Abschnitt aus der Bibel festgelegt. So führt der Plan innerhalb von vier Jahren einmal durch das ganze Neue Testament und innerhalb von acht Jahren in Auswahl durch das Alte Testament.

Tiefes Eintauchen und lange Linien erkennen

Wer den Ökumenischen Bibelleseplan mit ein wenig Ausdauer angeht, gewinnt so zweierlei: die intensive Auseinandersetzung mit einem relativ kurzen Text jeden Tag, das Eintauchen in einzelne Abschnitte. Und über die Zeit auch den Überblick über biblische Geschichte, Bücher und Zusammenhänge.

Wer sich auf die Bibel einlässt, erfährt Veränderung für sein Leben und will davon erzählen. So entstanden schon in den 1930er Jahren aus der Arbeit mit dem Bibelleseplan missionarische Aktivitäten. Ein Ergebnis waren Jahres- und Monatslosungen. Die erste Jahreslosung, eine Art biblischen Leitspruch, gab Otto Riethmüller (1889-1938), langjähriger Vorsitzender des Burckhardthauses, 1930 heraus: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“ (Röm 1,16).

Zu beliebt in den Augen der Nazis

Ab 1933 veröffentlichten die Zeitschriften aller beteiligten Verbände die Jahreslosung und die Monatssprüche. Der Jugendwart des CVJM in Kassel, Oskar Schnetter,  entwickelte das Konzept, die Monatssprüche in Plakatform zu drucken und zu verbreiten. Dieser „Gelbe Monatsspruch“ erlebte im Verlauf des Kirchenkampfes im Dritten Reich innerhalb kurzer Zeit eine Auflage von 500.000 Exemplaren. Die Reichsregierung berief sich auf das „Gesetz zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen Partei und Staat“ und verbot das Erscheinen des Plakates.

In den Jahrzehnten nach dem Krieg fand der Ökumenische Bibelleseplan Interesse in ganz Deutschland und weit darüber hinaus. Durch den Weltbund des CVJM mit Sitz in Genf wurde er in fast einhundert Ländern der Welt verbreitet. Zur weiten Verbreitung und Beliebtheit des Leseplans bis heute trägt bei, dass er in den Herrnhuter Losungen abdruckt wird und so Millionen Christen als Grundlage ihrer täglichen Bibellese dient. Auch viele andere Andachtsbücher legen den Bibelleseplan ihren geistlichen Impulsen zugrunde.

Bibellesen mit vielen Christen weltweit

Ökumenisch ist der Bibelleseplan zunächst einfach deshalb, weil Kirchen und Verbände verschiedener christlicher Konfessionen ihn mittragen und fördern. Das ist Ausdruck davon, dass bei allen konfessionellen Unterschieden die Bibel gemeinsame Grundlage des Glaubens ist und bleibt. Die „Ökumene“ bezeichnet überdies die globale Gemeinschaft aller Christen, die im Heiligen Geist miteinander verbunden sind. Die gemeinsame tägliche Bibellektüre ist ein starker Ausdruck dieser Gemeinschaft.

Da sich auch Bibel TV als Dienst für Christen aller Konfessionen versteht und missionarisch ausgerichtet ist, tragen wir den Grundgedanken des Ökumenischen Bibelleseplans voll mit. Deshalb ist der tägliche Textabschnitt des Leseplans in der Bibelthek mit einem Klick erreichbar. Und auch im gedruckten Programmheft von Bibel TV finden Sie den Bibelleseplan.

Praktische Möglichkeit für Einsteiger

Wer sich auf das Abenteuer Bibel einlassen möchte, aber vor dem Umfang des normalen Ökumenischen Bibelleseplans zurückschreckt, hat eine zweite Möglichkeit: den „Bibelleseplan kompakt“ (hier als PDF) der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Bibellesen. Er ist konzipiert für Jugendliche und Erwachsene, die in abwechslungsreichen und überschaubaren Leseportionen mit dem regelmäßigen Bibellesen beginnen wollen. Der Plan führt in vier Jahren durch das Neue Testament und durch eine Auswahl der wichtigsten Texte aus dem Alten Testament.

Für den Standard-Leseplan und seinen „kleinen Bruder“ gilt, dass der Einstieg jederzeit möglich ist. Die Bibelthek lädt begleitend zu diesem Einstieg und auch zum Stöbern im Alten Testament, im Neuen Testament und in den Apokryphen ein!

 

Text: Simon Laufer, Quelle und weitere Informationen: https://www.oeab.de

Hier im Video – wozu es Bibellesepläne braucht: