Bibel TV - Logo

Christi Himmelfahrt

Für viele Deutsche ist die Verbindung zwischen Vatertag und Christi Himmelfahrt nicht mehr ersichtlich. Christi Himmelfahrt wird in erster Linie als freier Ausflugstag definiert. In der christlichen Tradition hat dieser Feiertag jedoch eine wichtige theologische Bedeutung.
Von TB/TC
02.05.2016

Die Himmelfahrt Christi, St Giles' Cathedral, Edinburgh (Quelle: flickr / Lawrence OP CC BY-NC-ND 2.0)

Im Mittelalter: ein dramatischer Gottesdienst

Zugegeben: Auf den ersten Blick ist der „Abschied“ von Jesus filmreif, auch wenn sich viel über den Hergang spekulieren lässt. Schon im Mittelalter wurde Christi Himmelfahrt eindrücklich inszeniert. Bildhaft wurde eine Christusfigur mit Hilfe von Seilen in den Kirchenspeicher gezogen bis sie im sogenannten Heiliggeistloch verschwand. Anschließend wurden durch das Heiliggeistloch Süßigkeiten, Blumen, Heiligenbildchen, Wasser, weiße Tauben oder sogar „brennender Werg“ geworfen. Werg ist eine Art Abfallprodukt der Flachs-, Leinen- und Hanfproduktion. Es wurde als Symbol für den Heiligen Geist angezündet.

Das Himmelfahrtsfest heute

Bis zum heutigen Tag hält sich der Brauch einer anschaulichen Darstellung, wenn auch reduziert, vor allem in katholischen Gemeinden. In den meisten katholischen und evangelischen Gemeinden wird Christi Himmelfahrt als Heilige Messe bzw. Wortgottesdienst ohne besondere Bräuche gefeiert. Einige Freikirchen organisieren an diesem Tag Familiengottesdienste, Konferenzen, Ausflüge, Freizeiten und aufwendige Konzerte.

Immer an einem Donnerstag

Erst seit dem Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts wurde Himmelfahrt getrennt von Pfingsten gefeiert. Es setzte sich der Gedanke durch, Himmelfahrt auf den 40. Tag nach Ostern festzulegen. Denn laut dem Evangelisten Lukas ist Jesus 40 Tage nach Ostern in den Himmel aufgefahren. Deshalb fällt Christi Himmelfahrt immer auf einen Donnerstag.

Brauchtum – früher und heute

Das kirchliche Fest wurde ursprünglich von sogenannten Bittprozessionen begleitet. Die Gläubigen wanderten drei Tage vor Christi Himmelfahrt um ihre Felder und beteten für eine ertragreiche Ernte. Dabei kam es gelegentlich zu Trinkgelagen. Aus diesem Brauch könnte sich die heutige Tradition der so genannten „Herrenpartie“ am Himmelfahrtstag entwickelt haben.

Eine hoffnungsvolle Perspektive

Theologisch betrachtet schließt erst Himmelfahrt Jesu Wirken ab. Nach seinem Tod, der Auferstehung und Himmelfahrt sitzt Christus zur Rechten Gottes. Er wird für Christen somit zum Vorbild und Wegbereiter für die Beziehung zu Gott. Diese hoffnungsvolle Perspektive ist eine Kernbotschaft von Himmelfahrt, die weit über das Ereignis an sich hinausreicht: Wenn Jesus wiederkommt, werden auch die Jünger Jesu in den Himmel auffahren (1. Thessalonicher 4, 15-17).