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Gründonnerstag

Der heutige Feiertag gründet sich auf das Passahmahl von Jesus und seinen Jüngern. Das Fest am Vorabend der Kreuzigung ist spannungsgeladen. Freude und Verrat sind eng beinander. Das letzte Abendmahl markiert den Beginn der dramatischen Entwicklung der letzten Stunden vor Jesu Tod.
Von Tobias Becker
01.04.2015

Das letzte Abendmahl mit dem Lieblingsjünger Johannes, der sich an Jesus lehnt. Ein Detailausschnit eines Kirchenfensters über die Passion Christi im Wandelgang der Kathedrale von Bourges, 1215-25 (Quelle: flickr / Holly Hayes CC BY-NC 2.0)

Dann nahm er Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es den Jüngern mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut das, um euch an mich zu erinnern!" Ebenso nahm er, nachdem sie gegessen hatten, einen Becher mit Wein und gab ihn den Jüngern mit den Worten: Dieser Becher ist der neue Bund, besiegelt mit meinem Blut, das für euch vergossen wird."

Lukas 22,19-20

Der Ursprung des Abendmahls

Unter den Begriffen Abendmahl, Herrenmahl oder Eucharistie wird im weitesten Sinne eine christianisierte Variante des jüdischen Passah- bzw. Sedermahl verstanden. Dieses Fest feierte Jesus am Vorabend der Kreuzigung mit seinen Jüngern. Das Sedermahl ist ein jüdisches Familienfest innerhalb der Pessachwoche mit festem Ablauf und symbolischen Speisen. Dabei wird gelacht, gesungen und von der Errettung aus der ägyptischen Sklaverei erzählt. Brot, Wein und andere leckere Speisen werden verteilt. Auch Jesus nutzt diesen Anlass und schart seine Jünger um sich. Er möchte mit ihnen feiern.

Doch diese heitere Runde hat einen bitteren Beigeschmack. Judas Iskariot, der Finanzverwalter der kleinen Gruppe aus Jüngern, wird Jesus für Geld verraten. Jesus weiß um diesen kommenden Verrat und er spricht ihn allgemein an. Ernsthaftigkeit mischt sich in das Fest der Dankbarkeit. Auch Petrus und die anderen Jünger werden Jesus verleugnen, auch wenn sie beim Abendmahl das Gegenteil behaupten. Jesus ist sich bewusst: In seinen schwersten Stunden wird er allein sein. Verraten, verlassen und verleugnet. 

Die Namensherkunft bis heute ungeklärt

In der Kirchengeschichte ging die Erinnerung an dieses Festmahl als Gründonnerstag ein.

Die Herkunft des Namens lässt sich nicht überzeugend definieren. Manche vermuten, dass der Name vom mittelhochdeutschen „gronan“ oder „greinen“ (weinen) abstammt und die weinenden Sünder umschreibt. Das steht aber im Widerspruch zum festlichen Charakter des Gründonnerstags. Möglicherweise bezieht sich der Name auch auf den „dies viridium“, den „Tag der Grünen“. In Anlehnung an Lukas 23,31 wurden im Mittelalter einsichtige Büßer gefeiert, die nach einer Fastenzeit wieder zum „grünen Holz“ bzw. zu Gläubigen wurden, die Jesu Leben ehren. Einige sehen auch einen Bezug zu dem alten Brauch, grüne Kräuter und Gemüse zu essen oder zu liturgischen Farben in Gottesdiensten. Letztlich lässt sich diese Frage nicht entscheidend klären.

Die heiligen drei Tage

Heutzutage ist der Gründonnerstag der Beginn des Triduum Sacrum. Diese (heiligen) drei Tage bilden das wichtigste kirchliche Fest des Jahres. Die meisten katholischen und viele evangelische Gottesdienste integrieren nach dem Vorbild Jesu die Fußwaschung des letzten Abendmahls (Joh 13,4-20). Einige katholische Gemeinden organisieren in Erinnerung an Jesu Gebet im Garten Gethsemane auch Gebetswachen von Gründonnerstag auf Karfreitag. Im evangelischen Spektrum wird der Gründonnerstag meist mit einem Abendmahlsgottesdienst gewürdigt. Manche Freikirchen feiern das letzte Abendmahl nach dem Vorbild des Neuen Testaments in einer geselligen Tischgemeinschaft.