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Elberfelder Bibel
Elberfelder 2006
Der Prophet Habakuk
Klage des Propheten über Unrecht und Gewalt – Gottes Antwort
1 Der Ausspruch, den[1]o. Die Last, die der Prophet Habakuk geschaut hat.
2 Wie lange, Herr, rufe ich schon um Hilfe, und du hörst nicht! {Wie lange} schreie ich zu dir: Gewalttat! – doch du rettest nicht?
3 Warum lässt du mich Unrecht sehen und schaust dem Verderben[2]o. Elend zu, sodass Verwüstung[3]o. Unterdrückung und Gewalttat vor mir sind, Streit entsteht und Zank sich erhebt?
4 Darum erstirbt die Weisung, und {der gerechte} Rechtsspruch[4]o. Darum ist das Gesetz kraftlos, und das Recht kommt nie mehr heraus. Denn der Gottlose kreist den Gerechten ein; darum kommt ein verdrehter Rechtsspruch[5]o. verdrehtes Recht heraus.
5 Seht {euch um} unter den Nationen und schaut zu und stutzt, {ja, } staunt! Denn ich wirke[6]so mit LXX; Mas. T. : Denn es wirkt einer ein Werk in euren Tagen – ihr glaubtet es nicht, wenn es erzählt würde.
6 Denn siehe, ich lasse die Chaldäer erstehen, die grimmige und ungestüme Nation, die die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnplätze in Besitz zu nehmen, die ihr nicht gehören.
7 Schrecklich und furchtbar ist sie. Von ihr selbst gehen ihr Recht und ihre Hoheit aus.
8 Und schneller als Leoparden sind ihre Pferde und angriffslustiger als Wölfe am Abend[7]Andere lesen mit Textänderung: Wölfe der Steppe. Es stampfen ihre Pferde, ihre Pferde kommen von fern her, fliegen herbei wie ein Adler, der sich auf den Fraß stürzt.
9 Jeder kommt zur Gewalttat. Ihre Front strebt {unaufhaltsam} vorwärts[8]w. Das Streben ihrer Gesichter ist vorwärts, und Gefangene rafft sie zusammen wie Sand.
10 Mit den Königen treibt sie ihren Spott, und Fürsten sind ihr ein Gelächter. Über jede Festung lacht sie, schüttet einen Erdwall[9]w. Erde auf und nimmt sie ein.
11 Dann fährt sie daher wie der Wind und zieht weiter und wird schuldig[10]die Habakuk-Rolle von Qu. : und verheert: so ist der, dem die eigene Kraft sein Gott ist!
Erneute Klage des Propheten und erneute Antwort Gottes
12 Bist du nicht von alters her, Herr, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben?[11]o. Wir werden nicht sterben! Herr, du hast sie zum Gericht eingesetzt und, Fels, zum Züchtigen sie bestimmt.[12]o. Herr, hast du zum Gericht ihn eingesetzt und … zur Züchtigung ihn bestimmt?
13 Du hast zu reine Augen, um Böses mitansehen zu können, und Verderben[2]o. Elend vermagst du nicht anzuschauen. Warum schaust du {dann} den Räubern[13]o. den Treulosen zu, schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
14 Machst du doch die Menschen wie die Fische des Meeres, wie die Kriechtiere, die keinen Herrscher haben[14]Die Habakuk-Rolle von Qu. überliefert: wie Kriechtiere für den, der über sie herrscht.
15 Sie alle holt er mit der Angel herauf, er schleppt sie mit seinem Fangnetz fort und sammelt sie ein in seinem Garn; darüber freut er sich und jubelt.
16 Darum schlachtet er für sein Netz {Schlachtopfer} und lässt für sein Garn Rauchopfer aufsteigen, denn durch sie ist sein Anteil fett und feist seine Speise.
17 Soll er darum sein Netz ausleeren, und zwar ständig[15]Die Habakuk-Rolle von Qu. überliefert: Darf er darum ständig sein Schwert ziehen, um Nationen ohne Mitleid hinzumorden?
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen
Einheitsübersetzung
Einheitsübersetzung 2016
ÜBERSCHRIFT: 1,1
1 Ausspruch, den der Prophet Habakuk in einer Vision sah.
DIALOG DES PROPHETEN MIT GOTT: 1,2–2,5
Wie lange? – Das erste Gebet des Propheten: 1,2–4
2 Wie lange, HERR, soll ich noch rufen / und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! / Aber du hilfst nicht.
3 Warum lässt du mich die Macht des Bösen sehen / und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, / erhebt sich Zwietracht und Streit.
4 Darum ist die Weisung ohne Kraft / und das Recht setzt sich nicht mehr durch. Ja, der Frevler umstellt den Gerechten / und so wird das Recht verdreht.
Gottes Antwort: 1,5–11
5 Seht auf die Völker, schaut hin, / staunt und erstarrt! / Denn gewiss vollbringt er in euren Tagen ein Werk / - würde man euch davon erzählen, ihr glaubtet es nicht.
6 Denn seht, ich stachle die Chaldäer auf, / das grausame, ungestüme Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, / um Wohnplätze zu erobern, die ihm nicht gehören,
7 ein furchtbares und schreckliches Volk, / das selbst sein Recht und seinen Rang bestimmt.
8 Seine Pferde sind schneller als Panther, / wilder als die Abendwölfe. Seine Rosse und Reiter stürmen heran, / sie kommen aus der Ferne, sie fliegen herbei / wie ein Geier, der sich auf seinen Fraß stürzt.
9 Sie rücken an, entschlossen zu roher Gewalt, / alle Gesichter vorwärts gerichtet. / Gefangene raffen sie zusammen wie Sand.
10 Sie machen sich sogar über Könige lustig / und lachen über mächtige Fürsten; ja, sie spotten über jede Festung, / sie schütten einen Erdwall auf und nehmen sie ein.
11 Dann ziehen sie weiter, wie der Sturmwind sausen sie dahin. / Und sie haben ihre Kraft zu ihrem Gott gemacht.
Warum? – Zweites Gebet des Propheten: 1,12–17
12 Bist du nicht seit Urzeiten, HERR, / mein heiliger Gott? Gewiss werden wir nicht sterben! HERR, du hast sie dazu gerufen, an uns das Gericht zu vollziehen: / Du, unser Fels, du hast sie dazu bestimmt, uns zu bestrafen.
13 Deine Augen sind zu rein, um Böses mit anzusehen, / du kannst der Unterdrückung nicht zusehen. Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, / wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt?
14 Warum behandelst du die Menschen wie die Fische im Meer, / wie das Gewürm, das keinen Herrn hat?
15 Mit der Angel holt er sie alle herauf, / er schleppt sie weg in seinem Netz und rafft sie fort in seinem Fischgarn; / er freut sich darüber und jubelt.
16 Deshalb opfert er seinem Netz / und bringt seinem Fischgarn Rauchopfer dar; denn durch sie hat er reichen Gewinn / und ein üppiges Mahl.
17 Darum zückt er unablässig sein Schwert, / um ohne Erbarmen die Völker zu morden.
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