Das Vater unser begleitet viele von uns bereits seit der Kindheit. Es ist oft das erste Gebet, das wir auswendig lernen. Und genau darin liegt seine besondere Kraft: Ganz gleich, ob evangelisch, katholisch oder orthodox, es verbindet uns über Konfessionen und Generationen hinweg. Bei besonderen Anlässen wie Beerdigung oder Taufe ist es das Gebet, das alle Christen mitsprechen können.
Doch wie erklärt man Kindern dieses Gebet so, dass sie es wirklich verstehen und in ihrem Herzen tragen?
In diesem Beitrag findest Du Anregungen und Materialien, wie Du das Vater unser kindgerecht erklärst und kreativ vermittelst.
Ob zu Hause im Familienkreis oder im Kindergottesdienst: Schon kleine Impulse können Großes bewirken. Probiert die Ideen aus diesem Beitrag aus und entdeckt gemeinsam, wie lebendig das Vaterunser werden kann.
In diesem Artikel findest Du:
- Wie du das Vater unser Kindern Satz für Satz erklärst
- Tipps, wie das Beten im Alltag lebendig bleibt
- Ideen für den Kindergottesdienst rund ums Vater unser
- Ein Ausmal-Gebet zum Herunterladen und Mitmachen
Vater unser Kindern erklärt
Das Vater unser, wie es in der Bibel überliefert ist (Matthäus 6,9–13), hat Jesus selbst seinen Jüngern beigebracht. Es kann als Gespräch von Kind zu Vater gesehen werden. Und als solches dürfen wir es auch unseren Kindern beibringen.
Der Schlüssel, Kindern dieses Gebet näherzubringen, ist: Bilder schaffen, Fragen zulassen und das Vater unser mit den Kindern Satz für Satz entdecken.
💡 Tipp für zu Hause:
Nimm Dir jeden Abend einen Satz des Vater unsers vor. Sprecht gemeinsam beim Abendbrot darüber. So wird das Gebet nicht auswendig gelernt, sondern wirklich verstanden.
„Vater unser im Himmel“ – Gott kennt uns beim Namen
Erkläre Deinem Kind: Gott ist wie ein liebevoller Vater. Er hört immer zu, er ist nie ungeduldig, und er freut sich, wenn wir mit ihm reden. „Im Himmel“ bedeutet nicht, dass er weit weg ist, sondern dass er überall ist und alles überblickt. Du kannst fragen: „Weißt du noch, wie Papa oder Mama dich in den Arm genommen haben, als du traurig warst? So fühlt sich Gott für uns an, nur noch viel größer.“
„Geheiligt werde dein Name“ – Gott ist besonders
An der Stelle ist es gut, Kindern den Begriff heilig zu erklären. Denn heilig ist ein Begriff, der nicht im natürlichen Sprachgebrauch von Kindern vorkommt und damit schwer verständlich ist. Erkläre den Kindern: Heilig ist wie etwas ganz besonderes, wie ein wertvoller Schatz, der einem kostbar ist.
Eine kleine Übung: Lasst das Kind seinen eigenen Namen oder Mama und Papa in verschiedenen Tonlagen sprechen. Erklärt, dass Gottes Name immer mit Ehrfurcht und Liebe gesprochen wird.
„Dein Reich komme“ – eine Welt voller Gerechtigkeit
Stell dir eine Welt vor, wo niemand weint, niemand hungert und alle sich lieb haben. Das ist Gottes Reich. Ihr könnt zusammen überlegen: Was könnten wir tun, damit ein kleines Stück von Gottes Reich schon heute bei uns zu Hause spürbar wird?
„Dein Wille geschehe“ – Vertrauen auf Gottes Plan
Manchmal passieren Dinge, die wir uns nicht gewünscht haben. Vielleicht regnet es am Geburtstag, oder etwas klappt nicht so, wie wir es erhofft hatten. Wir sagen Gott mit dieser Bitte, dass wir ihm vertrauen. Auch dann, wenn sein Plan anders aussieht als unser eigener. Es ist wie bei einem Kind, das dem Papa oder der Mama vertraut, auch wenn es nicht immer alles sofort versteht. Ihr könnt gemeinsam überlegen: „Gab es schon mal eine Situation, wo etwas anders kam als geplant und am Ende doch gut wurde?“
„Unser täglich Brot gib uns heute“ – Dankbarkeit für das Kleine
Täglich Brot ist das Brot auf dem Tisch, aber auch Freundschaft, Gesundheit und ein warmes Bett. Diese Bitte lädt Kinder ein, sich bewusst zu machen, dass Gott uns versorgt und dafür auch dankbar zu sein. Überlegt gemeinsam, wofür ihr dankbar seid und was Gott euch alles gegeben hat. Ihr könnt es auch auf kleine Zettel schreiben und sie in ein Dankesglas stecken.
„Vergib uns unsere Schuld“ – Fehler passieren und wir dürfen offen zu ihnen stehen
Kinder wie Erwachsene kennen das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Wir streiten, sind ungerecht oder verletzen jemanden. Wenn wir so etwas tun, tut das auch Gott weh, weil er uns und die anderen liebt. Aber das Wunderbare ist: Bei Gott gibt es immer eine zweite Chance. Gott ist nicht sauer auf uns, wenn wir ehrlich sagen, dass wir etwas falsch gemacht haben. Er umarmt uns trotzdem. Und so möchte auch Gott von uns, dass wir nicht mit denen schmollen, die uns geärgert haben, sondern ihnen vergeben.
„Führe uns nicht in Versuchung“ – Hilf uns, das Richtige zu wählen
Manchmal möchten wir etwas tun, obwohl wir wissen, dass es nicht gut ist, stimmts? Zum Beispiel beim Spiel schummeln oder heimlich zu naschen. Überlege mit den Kindern, Beispiele für solche Situationen. Im Vater unser bitten wir unseren lieben Vater, dass er uns vor schlechten Entscheidungen bewahrt und dass er uns hilft, mutig zu sein und das Richtige zu tun, auch wenn es schwerfällt
„Erlöse uns von den Bösen“ – Gott als Schutzschild
Wir bitten, dass Gott uns vor Schlechtem bewahrt. Dass er als jemand, der allmächtig ist, uns beschützt vor allem, was uns traurig macht oder Angst einflößt.
„Denn dein ist das Reich“ – ein Jubel-Schluss
Der Abschluss des Gebets ist wie ein großes „Hurra“. Wir enden unser Gebet mit einem Jubel, weil wir wissen: Gott hat alles in seiner Hand, und das ist gut so. Das „Amen“ bedeutet so viel wie „Ja, so ist es!“ oder „So soll es sein!“
Vater unser im Kindergottesdienst
Damit das Gebet nicht zur bloßen Aufsage-Übung verkommt, dürfen wir das Vater unser im Kindergottesdienst (KiGo) entpacken, anfassen und mit Leben füllen. Es ist gut, wenn die Kinder den Text des Vaterunser auswendig können, aber noch viel wertvoller ist es, wenn es uns gelingt, ihnen die wahre Bedeutung hinter diesem Gebet, das Jesu uns lehrte, begreiflich zu machen.
Du findest auf dieser Seite Impulse, wie das Vater unser im Kindergottesdienst mit den Kindern interaktiv verinnerlicht werden kann.
Du kannst auch mehrere dieser Ideen miteinander verknüpfen, um dich so auf verschiedene Arten und Weisen an das Vater unser anzunähern.
Zum Beispiel könnt ihr im Kindergottesdienst:
- Zuerst das Vater unser puzzeln oder einen Lückentext ausfüllen: So siehst du, wie gut die Kinder den Text schon können.
- Danach das Bewegungsgebet: Hier wird sich noch mal intensiver mit den einzelnen Aussagen beschäftigt. Geh auf jede Zeile ein und erkläre sie den Kindern.
- Danach Ausmalbild: Überlegt zum Beispiel beim Ausmalbild auch gemeinsam Symbole für jede Zeile.
- Vater unser Quiz zum Abschluss mit Fragen zu Text und Bedeutung: So sehen Du und die Kinder, was hängen geblieben ist.
Vater unser im Kindergottesdienst puzzeln
| Alter: 4 – 13 | Material: Schere, Puzzle für Vater unser | Zeit: 5 – 10 Min. |
Das hilft besonders, um den Aufbau des Vaterunsers zu verinnerlichen. Zerlege das Vater unser in einzelne Wortgruppen. Die Kinder müssen diese in die richtige Reihenfolge zusammenpuzzeln. Je nach Alter und Größe der Gruppe kannst Du entweder die Kinder in kleine Gruppen aufteilen oder jedem Kind einzeln die Aufgabe geben. Wenn Kinder in der Gruppe noch nicht lesen können, hilf ihnen und lies ihnen die einzelnen Wortgruppen vor oder mischt die Gruppen so, dass welche dabei sind, die lesen können.
Variante: Baue „Quatsch-Sätze“ ein, die nicht ins Gebet gehören (z.B. „Und wo du hingehst, da will auch ich hingehen.“ oder “Und mach uns stark wie einen Löwen.”). Zerlege auch diese in Wortgruppen und mische sie unter die Puzzleteile. Die Kinder müssen diese aussortieren.

Vater unser Lückentext für den Kindergottesdienst
| Alter: 4 – 10 | Material: Lückentext | Zeit: 5 Min. |
Auch ein Lückentext eignet sich, um sich gedanklich mit dem Text auseinanderzusetzen. Wenn Kinder dabei sind, die noch nicht lesen können, kann man auch den Lückentext laut vorlesen und sie raten lassen, was in die Lücke kommt.
Vater unser im Kindergottesdienst: Das Bewegungsgebet
| Alter: 4 – 12 | Material: keins | Zeit: 10 Min. |
Für jede Zeile des Vater unsers gibt es eine Geste oder Bewegung: Hände falten, Arme ausbreiten, in die Hocke gehen, aufspringen. Das Gebet wird zum Tanz, zum Körperausdruck.
Eine Möglichkeit ist es, den Kindern die Zeilen zu sagen und sie dann aufzufordern, sich eine Bewegung dafür auszudenken. Vertiefe die Zeilen, indem Du in einfachen Worten die Bedeutung erklärst. Ihr könnt auch in der Gruppe abstimmen, welche Bewegung ihr am passendsten findet. Und am Ende geht ihr das Gebet mit den von den Kindern ausgedachten Bewegungen durch. Oder Du gibst die Bewegungen vor und gehst es Zeile für Zeile mit ihnen durch. Hier als Inspiration die Bewegungen zu den einzelnen Zeilen:
| Gebetszeile | Beschreibung |
| Vater unser im Himmel, | Arme nach oben öffnen Beide Arme langsam nach oben strecken, Handflächen nach oben geöffnet – wie jemand, der jemanden begrüßt. |
| Geheiligt werde dein Name, | Hände falten, Kopf neigen Hände langsam zusammenlegen und den Kopf leicht senken – als Zeichen von Ehrfurcht und Respekt. |
| Dein Reich komme, | Arme weit ausbreiten Arme seitlich ausbreiten, als würde man die ganze Welt umarmen – Gottes Reich umfasst alle. |
| Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf der Erde. | Zeigefinger hoch, dann auf den Boden zeigen Erst einen Finger nach oben strecken (Himmel), dann denselben Finger nach unten zeigen (Erde). |
| Unser täglich Brot gib uns heute. | Hände wie eine Schüssel halten Beide Hände zu einer Schüssel formen und ausgestreckt nach vorne halten – wie jemand, der etwas empfängt. |
| Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. | Hand aufs Herz, dann nach vorne reichen Erst eine Hand aufs Herz legen (»vergib mir«), dann beide Hände nach vorne ausstrecken (»ich vergebe auch«). |
| Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. | Arme vor den Körper kreuzen Beide Unterarme vor der Brust überkreuzen wie ein Schutzschild, dann langsam nach außen schieben, als würde man etwas wegstoßen. |
| Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. | Aufstehen und Arme heben Alle stehen auf, strecken beide Arme hoch und halten sie offen – Freude und Lobpreis ausdrücken. |
| Amen. | Einmal in die Hände klatschen Einmal kräftig klatschen – wie ein gemeinsames »Ja!« der ganzen Gruppe. Laut und freudig. |
Vater unser Quiz bzw. Kreuzeltest
| Alter: 6 – 10 | Material: Kreuzeltest | Zeit: 10 Min. |
Ein Quiz kann auf sehr verschiedene Arten und Weisen umgesetzt werden. Du kannst es als eine Art “Quizshow” realisieren, oder Du teilst einen Quizbogen an jedes Kind aus. Auf diese Weise können die Kinder sich einmal still und ganz für sich mit dem Vater unser auseinandersetzen. Ein Quiz eignet sich besonders für den Abschluss des Kindergottesdienstes. Die Kinder merken dabei, wie viel sie schon wissen und was noch hängengeblieben ist.
Variante: Möchtest Du es etwas aktiver gestalten, markiere vier Felder im Raum. Oder stelle vier Stühle auf und beschrifte diese mit A, B, C, D. Du stellst nun die Frage und die Kinder stellen sich vor die richtige Antwort. Dies eignet sich perfekt für den Bewegungsdrang der Kinder.
Vater unser Richtig oder Falsch Spiel
| Alter: 4 – 13 | Material: Etwa 20 Steine oder Plättchen in zwei Farben, ein undurchsichtiges Stoffsäcken | Zeit: 10 Min. |
Du brauchst dafür Plättchen oder Steine in zwei verschiedenen Farben. Eine Farbe steht dabei für richtig und eine für falsch. Setze Dich mit den Kindern im Kreis. Jedes Kind bekommt eine Handvoll Plättchen mit beiden Farben. Gut ist, wenn die anderen Kinder nicht sehen, wer von welcher Farbe wie viele hat. Ihr könnt zum Beispiel Gesangbücher aufrichten und die Kinder verstecken dahinter ihre Steine. Nun stellst du eine Richtig-oder-Falsch Frage. Das Säckchen wird herumgereicht und jeder wirft heimlich einen Stein rein. Denkt das Kind, die Aussage ist richtig, wirft ea die Farbe für richtig rein. Ist die Aussage falsch, wird entsprechend die andere Farbe gewählt. Es soll aber anonym bleiben, wie die Kinder einzeln abstimmen.
Am Ende schüttelt ihr das Säckchen in der Mitte aus und zählt, wie viele richtig lagen
Wenn die Kinder bereits älter sind, dürfen das auch etwas schwerere Fragen sein.
Vater unser Gebet zum Ausmalen
| Alter: 4 – 13 | Material: Ausmalbild, Stifte | Zeit: 10 Min. |
Um das Gelernte zu vertiefen, ist ein Vater unser zum Ausmalen eine wunderbare Ergänzung. Durch das Ausmalen von Symbolen zu den einzelnen Bitten beschäftigen sich die Kinder intensiv mit dem Text. Die Kinder können das Bild über ihr Kinderbett hängen oder an den Kühlschrank. So haben sie es im Alltag immer wieder vor Augen.
Ausmalen als Gebetszeit gestalten
Spielt ruhige Instrumentalmusik oder ein Kinderlied im Hintergrund. Lest den Text des Vaterunsers gemeinsam vor, bevor die Kinder beginnen. Gebt jedem Kind Raum, in seinem eigenen Tempo zu malen.
Bilderquiz für die Kleinsten
Wenn die Kinder noch nicht lesen können, arbeite mit Bildern. Zeige zum Beispiel ein Bild von zwei Kindern, die sich streiten, und frage: „Welcher Teil vom Vater unser passt hierzu?“ (Antwort: Die Vergebung).
Vater unser – Ideen für Gesprächsrunden mit Kindern
Damit Kinder verstehen, dass das Vaterunser mit ihrem Leben zu tun hat, helfen gezielte Impulse. Hier sind drei Ideen, wie Du die Bitten des Gebets in kleine, spannende Gesprächsrunden verwandelst:
Was bittest du Gott heute?
Im Vater unser bitten wir Gott um verschiedene Dinge wie unser täglich Brot oder, dass er uns von dem Bösen erlöst.
Sprich mit den Kindern darüber, was sie sich persönlich von Gott erbitten, zum Beispiel Hilfe in der Schule, dass die Eltern gesund bleiben etc. Überlegt gemeinsam, wo ihr auf Gottes Hilfe vertraut.
Was führt uns in Versuchung?
Jeder kennt Situationen, in denen es schwer ist, das Richtige zu tun. Was sind solche Momente für dich? Vielleicht Dinge, bei denen du weißt: „Das sollte ich eigentlich nicht tun“, es aber trotzdem verlockend ist. Sammle mit den Kindern Alltagsbeispiele: Naschen, obwohl man es nicht soll. Lügen, um Ärger zu vermeiden. Jemanden auslachen, weil alle anderen es auch tun.
Was zeichnet einen guten Vater aus?
Kinder erzählen, was sie mit dem Wort „Vater“ verbinden. Wie ist er? Was macht er? Dann die Brücke: Jesus nennt Gott Vater. Was glaubst du, wie ist Gott dann so? Kinder dürfen hier antworten, ohne dass es ein Richtig oder Falsch gibt.
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