Wenn wir in einer Stadt wie in Hamburg darüber nachdenken, etwas für die Bedürftigen zu tun, von denen hier im Bibeltext die Rede ist, fallen einem zuerst die Obdachlosen ein, einfach weil sie hier an vielen Ecken sichtbar sind. Und das ist gut. Aber nachdem ich länger selbst bei der Heilsarmee in der Obdachlosenarbeit mitgeholfen habe, denke ich, dass wir da nicht stehenbleiben dürfen. Für mich ist die versteckte Bedürftigkeit noch dringender, eben weil sie nicht so sichtbar ist.
Was ist zum Beispiel mit der Frau, die von ihrem Partner, aus welchen Gründen auch immer, verlassen wurde und jetzt mit zwei Kindern da sitzt, viel arbeitet, alle durchzukriegen. Und dabei bräuchten die Kinder doch eigentlich am dringendsten Zeit mit der Mutter. Aber alles geht eben nicht zusammen. Und dann Erziehungsherausforderungen und so weiter. Wie können wir da helfen? Und warum denken wir eigentlich überhaupt bei Bedürftigkeit zuerst an die materielle Bedürftigkeit, so wie wir ja überhaupt immer oft, zu oft, zuerst an das Materielle denken. Die materielle Not ist da und da ist wichtig zu helfen. Aber am Ende vielleicht noch entscheidender ist die geistige und geistliche Not.
Wenn wir jemanden fragen: „Wie geht es dir? Und er eben nicht die Standardantwort gut gibt und wir erfahren, dass er gerade eine schwere Zeit hat, wünschen wir ihm dann alles Gute und fertig ist? Oder bin ich bereit, meinen Zeitplan zu ändern, auf anderes zu verzichten und mich zu engagieren, zu helfen, zu geben oder manchmal einfach nur da zu sein und zuzuhören?
Und was ist mit den Bedürfnissen, die uns vielleicht gar nicht so klar sind? Von Gott wissen wir, wir Menschen sind alle bedürftig. Wir alle brauchen immer wieder Gnade, Liebe, Vergebung. Und wir alle brauchen Jesus. Auch den können wir zur Hilfe weitergeben, von ihm erzählen.
Es gibt so viele Wege, Gutes zu tun.
Weigere dich nicht, den Bedürftigen, Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.