Die neue Stuttgarter Erklärungsbibel
Es gibt zahlreiche Studienbibeln. Deswegen testet Matthias Brender für Euch die verschiedenen Ausgaben. In dieser Folge geht es um die neue "Stuttgarter Erklärungsbibel": Ihre Erklärungen stehen unmittelbar im Fließtext der Bibel. Wer schreibt die Erklärungen? Matthias Brender spricht mit einem der Autoren, Professor Heckel.
Transkript
Das ist die Erklärungsbibel bisher und jetzt kam das neue Update per Post: Die neue Stuttgarter Erklärungsbibel. Hier gab es früher einen Schutzumschlag, den habe ich schon verloren. Hier fehlt er von Anfang an. Papier wird gespart, die Umwelt geschützt, die neue Stuttgarter Erklärungsbibel mit der neuen Lutherbibel, alle Texte überarbeitet.
Und früher habe ich mich immer gefragt beim Bibellesen, gerade in der Erklärungsbibel: Wer hat denn die ganzen Erklärungen geschrieben? Umso mehr freue ich mich, dass ich diesmal die Person kenne. Das Alte Testament in der neuen Erklärungsbibel wird erklärt und die alten Erklärungstexte überarbeitet von niemand anderem als dem Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Rösel, dessen Fachkompetenz ich sehr schätze. Und die Erklärungen im Neuen Testament überarbeitete Oberkirchenrat und Bibel TV Programmbeiratsvorsitzender, Professor an der Universität Tübingen, Ulrich Häckel, dessen Bibelwissen ich auch sehr schätze. Und ganz besonders freue ich mich, dass wir ihn jetzt hier live in der Sendung haben. Herzlich willkommen, Professor Häckel.
Guten Tag. Sie haben mitgeschrieben an der neuen Stuttgarter Erklärungsbibel. Wie kam es denn überhaupt dazu, dieses große Werk komplett neu zu überarbeiten? Im Reformationsjahr 2017 war ich zum Neujahrsempfang und dort kam ich ins Gespräch mit Christoph Rösel, dem Generalsekretär der Bibelgesellschaft. Wir haben über die Revision der Lutherbibel gesprochen, über die Neuausgabe dann der zweisprachigen Neuen Testamente, Griechisch, Deutsch. Und dann kamen wir auch auf die Stuttgarter Erklärungsbibel und dann fragte er, ob ich auch bereit wäre mitzumachen. Dann habe ich gesagt: „Ja, ich könnte mir zum Beispiel den Efessor-Brief vorstellen, die Einführung zu machen. Dann habe ich ein halbes Jahr nichts gehört und dann kam er auf mich zu und fragte, ob ich alle oder möglichst viele Einführungen zu den neutestamentlichen Schriften machen könnte. Ihm wäre wichtig, dass möglichst viel aus einer Hand ist, damit die Fragen der Datierung und der Verhältnisbestimmung untereinander das aus einem Guss ist und in sich schlüssig ist.
Jetzt haben Sie das komplette Neue Testament mit seinen Erklärungstexten durch alle Bücher mit den Einführungen überarbeitet. Als Wissenschaftler an der Universität Tübingen schreiben Sie ja hochwissenschaftliche Texte. Als Oberkirchenrat sind Sie gewohnt, für die Kirche zu schreiben. Wie ist da das Niveau der Erklärungstexte der Stuttgarter Erklärungsbibel angesetzt? Was war da Ihr Anspruch für Ihre Erklärungstexte? Zunächst mal war ich vorher 16 Jahre Gemeindepfarrer und habe mir dann überlegt: Was interessiert einfach jemanden, der die Bibel in die Hand nimmt? Und das ist natürlich die Frage, wer, wann, was, wo geschrieben hat, aber dann vor allem die Inhalte. Das waren sehr konkrete Fragen, die ich dann versucht habe, einfach konkret und anschaulich in den Einführungen jeweils zu beschreiben und in jedem Brief das Besondere, jedem Evangelium das Besondere hervorzuheben.
Danke. Das ist auch etwas, was ich bisher ja schon an der Erklärungsbibel schätze, dass sie wirklich auf die Inhalte eingeht und nicht nur diese literarischen Fragen, die auch wichtig sind, klärt, sondern ganz praktisch hilft, die Bibel zu verstehen. Und da war auch die Vorgabe eigentlich von der Bibegesellschaft: Die Alte ist schon dick genug, der Umfang muss bleiben. Und jetzt wirbt die Bibegesellschaft auf den Anzeigen mit dem Spruch „200 Seiten mehr Bibekompetenz. Und auf dem Kirchentag in Nürnberg hat Generalsekretär Größer gesagt, das sei vor allem auf meine Einführungen zurückzuführen und das sei auch gut so, denn das werde jetzt die Standard-Bibelausgabe der nächsten Jahre und Jahrzehnte der Deutschen Bibelgesellschaft bleiben.
Also Vorgabe war gleiche Textlänge, aber nach Ihrer Arbeit war die Bibel 200 Seiten dicker. Wie konnte das passieren? Also zum einen sind die neutestamentlichen Einführungen, da wurde der Philemon-Brief und der Galater-Brief verglichen und dann sagte Herr Rösel: „Da haben Sie völlig recht, dass das Ungleichgewicht ist. Der Galater-Brief hat mehr Gewicht, muss mehr ausgelegt werden und der Efessor-Brief ebenso. Das war das eine. Vor allem aber habe ich bei der alten Stuttgarter Erklärungsbibel vermisst, eine Einführung in die Bibel insgesamt. Die fingen an mit Erster Mose eins und ich finde, man muss zunächst mal erklären: Was ist eigentlich die Bibel? Was versteht man unter der Heiligen Schrift? Wie kommt der Name „Altes und Neues Testament zustande und was bedeutet er? Und dann muss so ein Überblick erfolgen über die großen Teile der Bibel, zunächst des Alten Testaments, dann haben im Niltal schon zur Zeit des Alten Testaments 300 vor Christus in Ägypten die Juden nicht mehr Hebräisch gekonnt, also musste die Bibel ins Griechische übersetzt werden. Die griechische Übersetzung war auch die Vorlage dann für alle neutestamentlichen Autoren. Dann: Woher kannte Jesus das Alte Testament? Nämlich aus dem Synagogen-Gottesdienst. Und dann ist angesichts der heutigen Frage nach Jesus und dem Alten Testament christliche Kirche und Antijudaismus natürlich wichtig, das Verhältnis Jesus und das Alte Testament, das Verständnis von Verheißung und Erfüllung herauszuarbeiten.
Und dann die Frage der Bibelauslegung: Wie legen Juden die Bibel aus? Wie Christen? Und wie sieht das in der wissenschaftlichen Bibelauslegung heute aus? Diese Dinge sind einfach kurz erläutert. Dann kommt noch der Abschnitt „Von Jesus zum Neuen Testament, also wie die Evangelien entstanden sind, untereinander zusammenhängen, dann die Paulusbriefe und die anderen, die sogenannten katholischen Briefe. Und schließlich die altkirchliche Kanonsbildung, wie dann der Kanon in der Alten Kirche sich durchgesetzt hatte und festgelegt wurde. So viel zu den historischen Dingen.
Ein weiterer Abschnitt ist dann zum Verständnis der Bibel: Wie verhalten sich Bibel und Wort Gottes zueinander? Am Beispiel der Propheten im Alten Testament, die von ihren Berufungen berichten, ähnlich der Apostel Paulus. Da kann man denn sehr schön.Äh, das Verhältnis von Bibel und Wort Gottes dran aufzeigen. Dann stellt sich heute, wenn die Bibel zweitausend Jahre alt ist, die Frage: Was gilt in der Kirche, das es erläutert und wird dann verständlich gemacht am Beispiel von Luthers Schriftverständnis. Was meint er, wenn er sagt: „Allein die Bibel, allein Christus", und seine Unterscheidung von Gesetz und Evangelium. Und am Ende kommt noch ein Ausblick auf die Ökumene, denn die Bibel ist heute in allen christlichen Kirchen Grundlage der Verkündigung im Gottesdienst und damit sind wir auch wieder bei der Entstehungssituation, denn für die Gottesdienste wurden die einzelnen Schriften des Alten und des Neuen Testaments abgefasst.
Danke für den sehr reichhaltigen Einblick. Das macht, äh, ja, Vorfreude auf das, was da alles neu dabei ist durch diese erweiterte, ausführliche Einführung, die uns das noch besser erklärt. Und die ist im Grunde jetzt auch interessant, sowohl für Gemeindeglieder, die mit der Bibel vertraut sind, aber wir haben natürlich auch im Blick, Leute, die einfach kulturgeschichtlich, geistesgeschichtlich interessiert sind, die Quellen, die Grundlagen, die Ursprünge des Christentums und der europäischen Kultur kennenlernen wollen und dann im Grunde die Bibel erschlossen bekommen müssen durch die Einführung, aber eben auch dann durch die Anhänge.
Am Ende die Sacherklärungen sind zu 'nem kleinen Bibellexikon ausgebaut worden und dann gibt es noch eine Rubrik „Wo finde ich was?" Das sind die wichtigsten Texte, Erzählungen, Inhalte zusammengestellt, Gebote und Gebete, Lob, Klage und dann eben auch wichtige Abschnitte zu Glaube, Hoffnung und Liebe, sodass im Grunde, wer interessiert ist, dann auch findet, was er sucht. Also, viele neue Zugänge zur Bibel.
Herzlichen Dank. Ich hab sie jetzt ja auch vorliegen und hab dann mal nachgeschaut, nachdem Sie die Einführungs- und Erklärungstexte überarbeitet haben: Was hat denn der Professor Heckel jetzt anders gemacht? Und da habe ich jetzt zum Beispiel hier nachgelesen. Einführung in den, äh, Johannes, Johannesevangelium. Da stand bisher zu Beginn drin: „Die Kirche gab dem vierten der Evangelien das Symbol des Adlers, von dem es heißt, er schaue direkt in die Sonne, ohne davon zu erblinden. So hat sich dem Verfasser dieses Evangeliums die Herrlichkeit Jesu in besonderem Maße offenbart und er will sie durch sein Evangelium verkünden und so weiter." Und, ähm, Sie haben den Text überarbeitet und da steht heute: „Die Kirche gab dem vierten der Evangelien das Symbol des Adlers, weil Johannes mit einem geistigen Höhenflug beim Wort Gottes einsetzt." Und dann geht es schon los mit Verweisen zur, äh, Bibel, wo ich das dann genau nachlesen kann. Er beginnt mit einem hymnischen Prolog und hat Markus die Geschichte Jesu bis zum Auftreten des Täufers Johannes zurückverfolgt und setzt Matthäus und Lukas mit einer göttlichen Herkunft durch den Heiligen Geist ein. So sieht der vierte Evangelist die Existenz Jesu schon vor der Erschaffung der Welt. Also gleich tief rein mit und Bibelverweisen. Was war Ihnen da wichtig?
Ja, die unterschiedlichen Anfänge der Evangelien deutlich zu machen und dass immer weiter zurückgefragt wird von Jesus zu seiner Geburtsgeschichte, zu seiner Herkunft vor Gott und schließlich, dass er schon bei der, äh, bei der Schöpfung beteiligt und mitgewirkt hat, weil er ganz zu Gott gehört und Gottes Sohn ist und das dann im Johannes-Evangelium entfaltet wird. Das Bild vom Adler stammt natürlich aus der Vision bei Hesekiel und der Johannesoffenbarung und da wurden die Tiere dann in der alten Kirche als Symbole den Evangelien zugeordnet.
Ganz herzlichen Dank, Professor Heckel, wie Sie uns mit reingenommen haben. Ich bin jetzt schon sehr gespannt, da mehr Zeit drin zu verbringen.
Und liebe Zuschauerin, lieber Zuschauer, Sie haben ihn jetzt auch kennengelernt, Professor Heckel. Herzliche Einladung, die Bibel zu lesen. Ja, herzlichen Dank für das Interview und auch Ihnen wünsche ich jetzt viel Freude beim Entdecken in der Bibel.
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