Gott und das Universum (1/2)
"Gott ist groß und unbegreiflich, die Zahl seiner Jahre kann niemand erforschen." - so steht es in Hiob 36,26. Prof. Heino Falcke zeigt in seinem Vortrag: Diese unbegreifliche Größe Gottes kann man in der Wissenschaft erkennen. Er sagt: Wenn wir in die Natur schauen, schauen wir auf das Werk des Schöpfers - und das Werk des Schöpfers erzählt immer etwas über den Schöpfer selbst.
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Transkript
Das Werk des Schöpfers erzählt immer auch etwas über den Schöpfer selber. Wir leben in einer Zeit voll Wissenschaft und voll Technik. Die ganze Bühne hier ist voll mit Technik. Die Welt hatte einen Anfang. Wenn wir zurückrechnen, wann das ist, ungefähr vor dreizehn Komma acht Milliarden Jahren. Eine Zahl, die wir uns nicht vorstellen können.
Siehe, Gott ist groß und unbegreiflich. Die Zahl seiner Jahre kann niemand erforschen.
Und wir entdecken riesige Zeiträume im All, so wie wir riesige Weiten entdecken. Und Gott ist immer noch größer als all das, was wir an Zeit und an Raum erleben. Und das macht uns manchmal Angst. Manche Menschen haben Angst vor der Wissenschaft, vor der Weite und vor der Größe und auch vor dem Alter manchmal. Vielleicht wollen wir uns manchmal gern Gott klein und kuschelig halten, weil das ist ja unser Herr, der uns lieb hat, der uns nahe ist. Aber Gott ist auch der Große und Gewaltige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der unser gesamtes Vorstellungsvermögen sprengt. Und wir müssen uns manchmal auch der Größe Gottes aussetzen und das sozusagen ertragen.
Und wir tun dieses uns Aussetzen mit Wissenschaft. Ich bin mit Leidenschaft Wissenschaftler, weil ich die Schöpfung studieren kann. Und ich denke, dass Gott uns auch in der Wissenschaft ein Stück sich selber offenbart. Denn wenn wir in die Natur schauen, dann schauen wir auf das Werk des Schöpfers und das Werk des Schöpfers erzählt immer auch etwas über den Schöpfer selber. Und so ist jeder Blick in die Natur, jeder Sonnenstrahl, jede Blume, aber auch jedes physikalisches Gesetz ein Blick auf die Schönheit und die Weisheit des Schöpfers. Und ich denke, wir sollten als Christen davon reichhaltig Gebrauch machen.
Wir leben in einer Zeit voll Wissenschaft und voll Technik. Die ganze Bühne hier ist voll mit Technik und Wissenschaft. Und deswegen denke ich, dass es ganz entscheidend ist in dieser Welt, dass wir Christen uns nicht nur der Wissenschaft aussetzen, sondern sie verstehen, sie begreifen und sie begreifen auch als einen Liebesbrief Gottes an uns und manchmal auch als eine Herausforderung, der unsere, die unsere Bilder und unsere Vorstellung von uns selber sprengt.
Fangen wir an mit dieser Reise durch Raum und Zeit. Und fangen wir an mit diesem Herrn hier, George Lemaître, katholischer Priester und Physiker. Er ist im Ersten Weltkrieg zum Glauben gekommen und, äh, hat dann Physik studiert, ist Priester geworden, beides gleichzeitig. Und er kannte die Geistesgrößen seiner Zeit. Er war in Princeton und hat auch ein paar andere Physiker, wie diesen Herrn da rechts, kennengelernt und hat das Schicksal der Welt durchgerechnet.
Und das ist einer der Grafiken, die er produziert hat, 1928 mit Bleistift auf Millimeterpapier geschrieben. Und dort hatte er die neuesten Kenntnisse der Astronomie damals, die nämlich zeigten, dass die Galaxien im All auseinanderzufliegen schienen. Und die neue Relativitätstheorie von Albert Einstein, die Raum und Zeit neu definiert hat, nämlich Raum und Zeit als eine Plane, die sich ausdehnen kann, können, die zusammenhängen. Raum ist nicht statisch und fest, sondern Raum kann größer und kleiner werden. Zeit kann länger und langsamer werden.
Übrigens all das benutzt ihr jeden Tag in eurem Alltag heute, diese Relativitätstheorie, wenn ihr diesen, die Navigationsapp eures Handys benutzt. Die benutzt nämlich die Raum- und Zeittheorie von Albert Einstein.
Und Lemaître fand etwas ganz Erstaunliches, wenn er die Gleichung Einsteins auf das ganze Universum anpasste. Er sah, es konnte nicht statisch sein. Denn das war der Gedanke, die viele hatten, dass das Universum wie in Stein gemeißelt war, fest und statisch und ewig. Dass es nicht geschaffen war, sondern es war immer da und es würde immer da sein in Zukunft. Und er malte diese Kurven. Und da seht ihr hier so eine, eine Kurve, die fangen an, sie gehen hoch und da sieht man die Größenskala des Universums. Das Universum wird größer und dann gibt es so Modelle, da fällt das Universum wieder in sich zusammen und wird wieder zusammengequetscht. Und andere, da zögert es ein bisschen und manche, die fliegen sogar ganz auseinander.
Jede Studentin und jeder Student in der Astrophysik kennt diese Bilder heute. Diese Grafik lernt man in der ersten, im ersten Semester der Astrophysik, denn sie beschreibt tatsächlich die Entwicklung unseres Kosmos. Und diese Kurven sind bestätigt durch die Messung von Galaxien, von Sternen und von Supernova-Explosionen noch und nöcher. Eine davon beschreibt unser Universum, eines von den oberen Kurven.
Das Entscheidende aber an dieser Grafik ist etwas, was ganz hier unten, links unten steht. Kannst du nicht lesen. T gleich null steht da. Denn wenn man dieses Auseinanderstreben des Universums zurückrechnet, dann gab es irgendwann mal einen Punkt, wo alles auf einem Punkt zusammengekommen ist. Einen Punkt, aus dem Materie, Energie und Licht entstanden sind. Der Zeitpunkt T gleich null. Der Ursprung der Zeit. Und das war revolutionär, der Gedanke damals.
Ja, deine Mathematik, die stimmt, aber deine Physik, die ist abscheulich.
Einstein, der davon hörte, sagte das. Weil er konnte sich das nicht vorstellen. Und andere Wissenschaftler dachten: Ja, er sagt das ja nur, weil er katholischer Priester ist. Der will ja nur den Schöpfer wieder aus der Grabeskiste springen lassen. Aber dieses Modell hat sich durchgesetzt und ist durch alle Daten bestätigt worden, bis heute.
Die Welt hatte einen Anfang. Wenn wir zurech-- rückrechnen, wann das ist, ungefähr vor dreizehn Komma acht Milliarden Jahren. Eine Zahl, die wir uns nicht vorstellen können. Dreizehn Komma acht Milliarden Jahre.
Und Lemaître, der sich verteidigen musste, schrieb einen Brief an eine der großen Zeitschriften seiner Zeit und um seine Theorie, die damals nur Theorie war, noch nicht experimentell bestätigt. Er schrieb diesen Brief an Nature und ganz am Ende des Textes fügte er noch einen kleinen Absatz hinzu mit einer theologischen Entdeckung. Dann hat er den Satz am Ende durchgestrichen, weil er sich nicht getraut hat, den zu publizieren. Aber er steht in seinem Manuskript und da steht:
Ich denke, dass jeder, der an ein höchstes Wesen glaubt, das jedes Wesen und jedes Handeln trägt, auch daran glaubt, dass Gott im Wesentlichen verborgen ist und dass er froh sein kann, wenn er sieht, wie die gegenwärtige Physik die Schöpfung mit einem Schleier verdeckt.
Denn das war das Entscheidende an diesem, an diesem Gedanken, an diesem epochalen Gedanken des, dessen, was wir heute Urknall nennen. Er, er nannte es Uratom damals. Denn durch diesen Punkt T gleich null geht keine Physik hindurch. Da gehen keine Gleichungen hindurch. Da geht keine Information hindurch. Alles, sozusagen alle Materie, aller Raum war auf einen Punkt konzentriert und da kam nichts mehr hindurch.
Und das bedeutet auch, dass der Ursprung von dem, was war vor dem Urknall, nicht durch Physik zu beschreiben war. Und das war ein großer Schock, denn viele Physiker hatten damals ein Weltbild eines Gottes, der berechenbar war, der Teil dieser Welt war. Sie dachten, mit der Physik, mit der Mathematik können wir irgendwann so weit zurückrechnen, dass wir Gott eigentlich beschreiben können. Und mit diesem Urknall ist eigentlich das Ende der Physik erreicht.
Und wir haben noch viele andere dieser Entdeckungen gemacht. In der Quantentheorie, die Unschärferelation, die Chaostheorie, schwarze Löcher, Urknall. Überall entdecken wir Grenzen des Wissens. Unsere Berechnungen, unser Wissen geht bis zu einem bestimmten Punkt und dann hört es auf. Und dann können wir eigentlich nur noch glauben. Gott ist nicht berechenbar.
Heute leben wir wieder in einer Zeit, wo wir denken, Gott ist berechenbar. Wir haben eine App für alles, die können alle Fragen beantworten. Wir gehen nach ChatGPT oder anderen KIs, die können alle unsere Fragen und Sorgen beantworten. Wir können alles berechnen, alles durchrechnen, aber das ist eine Illusion. Wir können immer nur für einen bestimmten Zeitraum Dunge, Dinge berechnen, aber nie von Ewigkeit zu Ewigkeit. Die Ewigkeit bleibt für alle Zeiten Gott vorbehalten.
Aber dazwischen, zwischen Anfang und Ende, zwischen Urknall und Apokalypse, da können wir schon Physik betreiben. Da können wir ins Labor gehen, da können wir zum Teilchenbeschleuniger gehen, zu Teleskopen und können diese Natur untersuchen und herausfinden, wie sie funktioniert. Und ich erzähle euch sozusagen jetzt die Schöpfungsgeschichte, wie die Wissenschaft sie heute erzählt. Und ganz erstaunlich, sie findet Schritt für Schritt statt. Ein bisschen so, wie es die Propheten der alten Genesis auch schon in der Bibel beschrieben haben.
Vor dreizehn Komma acht Milliarden Jahren.
Und Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht.
Das ist für mich ein ganz entscheidender Satz. Wie Gott schafft. Gott spricht und dann wird aus To-Ba-Wo, wird etwas Neues. Aus Altem wird Neues, weil Gott spricht. Und in der Physik tun wir das heute auch so. Wir haben etwas, was da ist. Dann haben wir Naturgesetze und etwas Neues entsteht daraus. Wir sagen, das ist Physik. Aber es hat auch mit Gott zu tun. Denn woher kommen Naturgesetze? Wer hat die eigentlich in die Welt gesetzt? Naturgesetze sind Gott gegeben und für mich sind sie eben auch Gott gesprochen. Das heißt, wenn etwas aufgrund der Naturgesetze passiert, dann heißt es auch, es passiert aufgrund der von Gott gegebenen Ordnung. Dann hat es genauso viel mit Gott zu tun wie eure Wundererfahrung oder alles mögliche andere, was ihr habt, eure Erfahrung von Gott. Auch wenn nur ein Becher runterfällt, dann hat das was mit Schwerkraft zu tun und das hat mit Gott zu tun. Naturgesetze sind auch Worte Gottes.
Und es ward Licht. Und tatsächlich war am Anfang des Urknalls die ganze Energie, die dort in die Welt kam, lichtähnlich. Es gab noch keine Masse, keine Materie, sondern es war reinste Energie. Aber wir wissen und das sehen wir auch in Experimenten, dass aus Energie Materie werden kann. E gleich MC Quadrat hat Einstein gesagt.
Und so passiert in den ersten Mikrosekunden bis Minuten etwas ganz Erstaunliches. Aus der Energie des Urknalls frieren Teilchen heraus. Sie bekommen eine Masse, sie sind nicht mehr lichtähnlich, sie werden träge. Trägheit ist übrigens was ganz Entscheidendes dafür, dass hier alle funktioniert. Nur träge Materie kann eigentlich Planeten, Sterne und Menschen bilden. So entstehen diese ersten Teilchen aus der Energie und alle Teilchen, aus denen ihr heute besteht, die Protonen, die Neutronen, die Elektronen sind nach schon drei Minuten da gewesen. Alles war schon mal da. Aber es brauchte dann doch noch 'n bisschen Zeit, bis die alle so zusammenkamen, dass die heute hier sitzen und sich fragen: Wie konnte das alles passieren?
Und das ist eine Geschichte voller Katastrophen, voller Wirrungen, voller Achterbahnen der Gefühle oder auch Nichtgefühle. Und, äh, dann entwickelt sich die Welt weiter. Es wurde erst mal was lang-langweiliger. Aber nach und nach fängt dort eine geheimnisvolle, lei, einfache, schwache Kraft zu wirken. Die Schwerkraft. Die Schwerkraft ist eine ganz erstaunliche Kraft, weil sie nur eine Richtung kennt. Ist die schwächste aller Kräfte im All. Aber alles zieht alles an. Jeder und jedes hat diese Kraft. Und da, wo ein paar zusammenkommen, ziehen sie andere an. Und die Schwerkraft sorgt dafür, dass da, wo etwas ist, mehr wird. Und so zieht sich die Materie zusammen und sie wird zu kleinen Knötchen, zu immer größeren.
Und was wir hier sehen, das sind nicht irgendwie kleine Flecken, sondern das sind ganze Galaxien. Im Computer können wir das heute nachsimulieren, wie sozusagen unter Einfluss der Schwerkraft und der Materie und auch der dunklen Materie, aber da reden wir jetzt nicht drüber, die, äh, Sterne, die Galaxien sich zusammenziehen und Welteninseln entstehen. Und so sehen wir hier in einem Bild Tausende von Galaxien, die dort entstanden sind innerhalb von Milliarden von Jahren. Und tatsächlich, wenn wir mit Teleskopen an den Himmel schauen, sehen wir diese Gruppen und Haufen von Tausenden von Galaxien, die umeinander kreisen und umeinander wirbeln.
Und dann geht's weiter. In diesen Galaxien sind Sterne und diese Sterne produzieren, äh, Teilchen, produzieren Staub. Die Sterne explodieren. Äh, sie geben wieder sozusagen Sternenstaub zurück ans Universum. Es bilden sich Wolken aus Staub und diese Staubwolken kollabieren wieder unter dem Schwer, unter der Schwerkraft und der Gravitation. Das Gleiche passiert auf kleinster Skala. Hier ziehen sich wieder diese kleinsten Knötchen zusammen und neue Sterne entstehen. Tausende von Sternen.
Und vor viereinhalb Milliarden Jahren ist irgendwo in den Weiten einer sehr durchschnittlichen Galaxie genau das passiert. Und innerhalb von relativ kurzer Zeit, von nur ein paar zehn Millionen Jahren, ist dann nach dem Kollaps dieser Staubwolke die Sonne entstanden. Die Materie wurde dichter und dichter und heißer und heißer und irgendwann war alles so heiß, dass dieser Stern anfing zu glühen und zu brennen und die Kernfusion anfing und anfing zu strahlen. Und um diesen Stern herum blieb noch ein bisschen Staub übrig. Ungefähr eins Komma fünf Promille des Staubes blieb am Ende noch übrig und wirbelte um den jungen Stern herum.
Was wir hier sehen, ist eine Aufnahme von einem anderen Stern, äh, und zwar nur von dem Staub, der sozusagen um diesen Stern herumwirbelt. Und auch da sehen wir wieder so, äh, Verdickungen und kleine Knötchen. Und aus diesem bisschen Staub, das noch da wird, da ist, entstehen Planeten, die kleinen und die großen Planeten des Sonnensystems. Und sie entstehen in dieser Scheibe, die um die, um den Stern wirbelt. Und deswegen sehen wir heute alle Planeten, die sozusagen auf einer Linie am Himmel entlangziehen, weil sie alle in dieser Staubscheibe geboren sind.
Und einer dieser Planeten, der besteht nur aus null Komma null null drei Promille der Masse, war die Erde. Sie entstand und schon nach kurzer Zeit war ihre Existenz wieder bedroht. Denn es waren auch andere Planeten dort und die Planeten waren noch nicht gesettelt, die waren noch alle unruhig. Wie Achtspänner zogen die da mit ihrer Schwerkraft aneinander und ein kleinerer marsgroßer Planet kam der Erde zu nahe und schlug ein und riss sie fast auseinander.
Und diese Megakatastrophe, diese Urkatastrophe der Erde war auch eine Neugeburt der Erde und ganz entscheidend in der Entwicklung. Denn aus dieser Kollision entstand der Mond. Und entstand Weihnachten. Na ja, die Weihnachtsferien. Die Jahreszeiten nämlich. Denn die Erde bekam einen Schlag und die Erdachse wurde sozusagen zur Seite ge-klappt und seitdem steht die Erdachse schräg und die Erde eiert ein bisschen. Und das führt dazu, dass an der, wenn die Erde sich die Sonne dreht, dass mal der Nordpol, die Nordseite wegzeigt von der Sonne und wenn sie auf der anderen Seite steht, dann guckt sie zur Sonne. Und das macht Sommer und Winter. Und das war ganz entscheidend für die Entwicklung des Klimas unseres Planetens. Diese Riesenkatastrophe hat am Ende die Erde zu dem gemacht, was sie heute ist.
Und dann passiert der nächste Schritt.
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besonderen Orten, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das trockene Erde und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.
Dass hier Wasser ist, ist eine ganz erstaunliche Tatsache. Man hätte es eigentlich nicht erwartet, denn die Erde war sehr nah an der Sonne dran und eigentlich hätte alles Wasser und auch aller Kohlenstoff, aus dem wir bestehen, verdampft sein sollen. Es war einfach in der Frühphase zu heiß. Aber weil so viele Bruchstücke noch rumflogen im Sonnensystem und weiter außen noch Wasser existieren konnten, wurde die Erde immer weiter bombardiert von Meteoriten, die eingeschlagen sind auf der Erde. Ein paar von diesen Einschlagskratern sehen wir heute noch auf der Erde, das Nördlinger Ries zum Beispiel. Das war jetzt nicht vom Anfang der Erde, sondern eher vom Ende.
Aber diese Einschläge waren ganz intensiv am Anfang der Existenz unserer Erde und sie brachten Wasser mit sich und Kohlenstoff. Und sie wurden aufgenommen in diesen blubbernden Magma-Ozean, aus dem die Erde bestand. Und dann war die Erde wie so eine Kaffeetasse. Sie fing an, die man so ein bisschen rumrührt, sie fing an zu duften und zu, zu dampfen. Sie roch allerdings nicht so gut. Es war Schwefelwasserstoff drin, also es roch nicht nach Kaffee, sondern eher nach faulen Eiern. Aber egal. Sondern dieser Wasserdampf, der da drin war, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, all das begann auszudampfen und füllte den Himmel.
Dann kühlte die Erdoberfläche ab und irgendwann fing es an zu regnen. Tausende Jahre Regen, permanent. Das Wasser prasselte auf die Erdoberfläche und füllte die Oberfläche mit Wasser. Fünf Kilometer dick. Das ist nur ein kleiner Teil der gesamten Erdoberfläche und des Erdvolumens. Ein Bruchteil nur ist Wasser, aber alles ist an der Oberfläche. Und die Erde ist gefüllt mit Wasser. Kein anderer Planet unseres Sonnensystems hat so viel Wasser bis heute. Das macht unsere Erde einzigartig. Das Wasser sammelte sich und vielleicht gab's noch ein paar trockene Flecken, die dort waren, vielleicht durch Einschläge, vielleicht durch Vulkanausbrüche. Und so war die frühe Erde entstanden. Und wir haben diesen wunderschönen blauen Planeten.
Und dann der nächste entscheidende Schritt in der Entwicklung der Erde.
Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art und Gott sah, dass es gut war.
Bis zum Gras hat's noch ein bisschen gedauert, aber das Leben, das aus der Erde und dem Wasser kam, das passierte wohl relativ früh. Man ist sich nicht genau sicher, drei bis vier Milliarden Jahren vor unserer Zeit passierte es irgendwo. Und da gibt's ganz viele verschiedene Theorien, wie Leben entstanden sein könnte. Das Entscheidende ist, dass Leben an sich ein Wunder ist.
Wenn man sich eine Zelle anguckt, das ist hier ein Archaeum, eines der, äh, Archaea, eines der ältesten Mikroben-Lebensformen auf unserer Erde. Was alles nötig ist, das Zusammenkommen muss, dass Leben entsteht. Ich brauche eine Zellwand, ich brauche Methoden, um Energie aufzunehmen, zu verarbeiten, Schadstoffe auszuscheiden, Sensoren, die da sind, vielleicht Fortbewegungsmöglichkeiten. Ganz entscheidend die Erbinformation im Zentrum. Da, wo die DNA ist. Da, wo die ganze Information über das Werden einer Zelle steht.
Und heute kann man das sozusagen im, äh, quasi im, im, äh, Mikroskop mehr oder weniger anschauen, wie so etwas funktioniert in einer Zelle. Das hier ist so eine DNA-Erbinformation in dieser wunderschönen Spiralform. Und da gibt's dann molekulare Motoren, die da drin sind. Die, die, die teilen die Erbinformation, diese Doppelhelix, und sie kopieren sie und sie fügen sie wieder zusammen an anderer Stelle. Einer der Stränge wird sozusagen rückwärts wieder zusammen, stückweise zusammengesetzt, damit wieder zwei identische Kopien entstehen.
All das, all diese Mechanismen müssen da sein, bevor Leben überhaupt entstehen kann. Und kein Mensch weiß, wie das passiert ist. Ein Kollege von mir, Kees Dekker, in meinem Buch, äh, beschreibe ich ihn so ein bisschen, äh, ist einer der führenden Forscher, der genau diese Prozesse untersucht. Und er ist gläubiger Christ, er ist Ältester in einer freien Kirche, hat gerade eine neue Gemeinde gegründet, steht sozusagen der Lobpreis-Band, äh, auf der Bühne und gleichzeitig im Labor versucht er, künstliche Zellen zu erzeugen.
Haben Leute ganz erschreckt gefragt:
Oh Gott.
Nicht oh Gott, sondern:
Kees, willst du Gott spielen?
Und Kees hat gesagt:
Nein, ich spiele für Gott. Ich will verstehen, wie Leben funktioniert, wie das passiert.
Und es ist, er hat Riesenforschungsgelder gekriegt, um sozusagen künstliche Zellen zu erzeugen und es ist fast nicht möglich, das hinzukriegen. Vielleicht klappt's irgendwann, wir wissen es nicht. Aber unfasslich viel muss zusammenkommen, dass überhaupt eine Zelle entstehen kann. Und das ist ein weiterer Schleier, der über dem Entstehen des Lebens liegt, dass wir, den wir bis heute nicht verstanden haben.
Ist es ein Wunder? Auf jeden Fall. Für mich ist Leben ein Wunder. Für mich hat es auch was hundert Prozent mit Naturwissenschaft zu tun. Ich glaube, dass das passiert ist mit den Naturgesetzen, mit den Dingen, die damals da waren. Aber dass all das so zusammenkommen kann, dass Leben entstehen kann und sich weiterentwickelt, das ist der, das ist der reinste Wahnsinn. Ja.
Also was in einer einzigen Zelle passiert, in euch jeden Moment, das ist ein Universum für sich. Und das, was dort passiert ist vor drei bis vier Milliarden Jahren, hat den Urs-- den Kern gelegt für all das, was später gekommen ist. Und wir finden deutliche Hinweise, dass vor zweieinhalb Milliarden Jahre die gesamte Erde eingefroren war. Kaum war das Leben da, war es fast schon wieder tot. Alles eingefroren. Und dann kommt das nächste Erstaunliche: Was hat uns gerettet? Vulkane, Erdbeben, Erdtektonik.
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