Das siebte Gebot: Du sollst nicht stehlen

Das siebte Gebot: Du sollst nicht stehlen

Das siebte Gebot klingt im ersten Moment nach Banküberfall, Ladendiebstahl oder Einbruch. Doch wenn wir tiefer blicken, geht es hier nicht nur um das fremde Portemonnaie, sondern um Fairness, Ausbeutung und den Umgang mit Ressourcen.

In einer globalisierten Welt betrifft uns dieses Gebot im Alltag viel direkter, als wir auf den ersten Blick glauben.

Du sollst nicht stehlen.

2. Mose 20,15 

Hinweis: Dieser Artikel verwendet die lutherisch-katholische Zählweise. Warum sich die Nummerierung je nach Konfession unterscheidet, erfährst du in im Beitrag Übersicht zu den 10 Geboten.

Der Kern: Was bedeutet das siebte Gebot

Stehlen bedeutet, sich auf Kosten eines anderen etwas anzueignen, das einem nicht gehört. Das klingt zunächst simpel, reicht aber weit über den klassischen Ladendiebstahl hinaus. Es beginnt dort, wo wir uns nehmen, was uns nicht zusteht: Zeit, die wir dem Arbeitgeber schulden, Anerkennung für die Arbeit anderer, faire Bezahlung, die wir jemandem vorenthalten, oder auch Vertrauen, das wir durch Betrug missbrauchen.

Lebst du gerecht oder lebst du auf Kosten anderer?

Im Kern geht es um eine Haltung: Sehe ich das, was anderen gehört, als etwas, das ich respektiere oder als etwas, das ich mir nehmen darf, solange ich damit durchkomme?

Das siebte Gebot im Alltag

Kaum jemand von uns bricht nachts in Banken ein. Aber im Alltag gibt es unzählige Grauzonen, in denen wir unbemerkt zu „Dieben“ werden:

Wer sich Vorteile verschafft, indem er andere ausnutzt, wer Verantwortung nicht übernimmt für das, was er sich genommen hat, handelt gegen dieses Gebot, auch wenn kein Gesetz gebrochen wird und niemand es „Diebstahl“ nennen würde.

Es beginnt schon am Arbeitsplatz, wenn wir bewusst die Arbeitszeit absitzen, private Dinge erledigen oder auf der anderen Seite als Führungskraft Überstunden als selbstverständlich ansehen, ohne sie fair zu vergüten. Wir stehlen, wenn wir uns fremde Ideen aneignen, ohne sie zu würdigen, oder wenn wir Dienstleistungen schwarz bezahlen, um Steuern zu sparen. Aber auch an der Ladenkasse betrifft uns dieses Gebot direkt: Wenn wir sehr günstige Kleidung kaufen, obwohl wir wissen, dass sie unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurde, unterstützen wir ein System, in dem die Beschäftigten häufig keinen fairen Lohn erhalten. Das siebte Gebot fordert uns im Alltag heraus, den eigenen Konsum zu hinterfragen und einen Lebensstil zu wählen, der nicht auf dem Rücken anderer aufgebaut ist.

Die Stolperfalle: Was, wenn jemand stiehlt, weil er nichts zum Leben hat? 

Eine schwierige Frage lautet: Was ist, wenn jemand stiehlt, weil er Hunger hat?

Was ist, wenn ein Mensch seine Kinder versorgen muss? Was ist, wenn jemand in Armut lebt und keine andere Möglichkeit sieht?

Das siebte Gebot darf nicht dazu führen, dass Menschen nur verurteilt werden, während die Not, in der sie leben, uns gleichgültig ist. Die Bibel spricht immer wieder über Menschen, die arm, abhängig oder schutzlos sind. 

Sie fordert nicht nur: 

„Stehlt nicht.“

Sie fordert auch:

„Teilt.“

Denn eine Gesellschaft, in der einige Menschen im Überfluss leben, während andere nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen, kann sich nicht einfach damit zufriedengeben, Diebstahl zu verurteilen. Das bedeutet nicht, dass Diebstahl dadurch automatisch richtig wird. Aber es bedeutet, dass wir genauer hinschauen müssen.

Das siebte Gebot ruft deshalb nicht nur nach Ehrlichkeit, sondern auch nach Verantwortung füreinander.

Was Jesus dazu sagt

Jesus spricht immer wieder über Besitz und den Umgang mit Geld. Er macht deutlich, dass die Frage nicht nur lautet, ob jemand äußerlich etwas gestohlen hat.

In der Geschichte vom reichen jungen Mann fragt Jesus ihn nach den Geboten. Als der Mann sagt, dass er die Gebote eingehalten hat, fordert Jesus ihn auf, seinen Besitz mit den Armen zu teilen. Jesus zeigt damit: Nicht zu stehlen ist der Anfang. Aber Gottes Vorstellung von Gerechtigkeit geht weiter.

Es reicht nicht, anderen nichts wegzunehmen. Wenn wir selber nicht hungern müssen, aber sehen, dass Menschen in Not sind und davor die Augen verschließen oder gleichgültig sind,dann folgen wir nicht den Weg Jesu. Jesus sagt:

„Doch gebt als Almosen von dem, was da ist; siehe, dann ist euch alles rein.“

Lukas 11,41

Besitz kann ein gutes Werkzeug sein. Aber er darf nicht zum Mittelpunkt des Lebens werden. Wenn wir immer mehr haben wollen, kann aus Besitz schnell Gier werden. Und Gier kann dazu führen, dass wir nicht nur nehmen, was uns gehört, sondern auch bereit sind, andere Menschen auszunutzen.


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