Das zehnte Gebot

Das zehnte Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist

Wo das neunte Gebot den Blick auf Besitz im engeren Sinn richtet, geht das zehnte Gebot noch einen Schritt weiter: Es geht um Beziehungen und das, was dem Nächsten gehört. 

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. 

2. Mose 20,17 

Hinweis: Dieser Artikel verwendet die lutherisch-katholische Zählweise. Warum sich die Nummerierung je nach Konfession unterscheidet, erfährst du in im Beitrag Übersicht zu den 10 Geboten.

Der Kern: Was bedeutet das zehnte Gebot

Das zehnte Gebot ist dem neunten sehr ähnlich. Beide sprechen über das Begehren. Doch das zehnte Gebot richtet den Blick besonders auf die Menschen und Beziehungen, die zum Leben eines anderen Menschen gehören.

Schon der bewusste Wunsch, die Frau eines anderen für sich zu gewinnen, verletzt die Treue und die Würde dieser Beziehung 

Lass dich nicht vom Neid bestimmen.

Wer ständig auf das schaut, was andere haben, verliert leicht den Blick für das Gute und Wertvolle im eigenen Leben. Das zehnte Gebot sagt deshalb nicht: Du darfst nichts wollen. Es sagt: Lass dich nicht vom Neid bestimmen.

Das zehnte Gebot im Alltag

Im Alltag zeigt sich das zehnte Gebot immer dann, wenn wir im Stillen den Impuls spüren, unseren eigenen Wert über den Vergleich mit anderen zu definieren. 

Frage dich selber: Kannst du dich über die Beziehungen, Freundschaften und die Anerkennung anderer freuen, ohne das Gefühl zu haben, dass dir dadurch etwas fehlt? 

Im sozialen Miteinander zeigt sich dieses Begehren etwa dann, wenn die glückliche Beziehung, die enge Freundschaft oder die Anerkennung eines anderen in uns ein schmerzhaftes Gefühl des eigenen Mangels auslöst.

Statt Energie in den Wunsch nach dem Leben eines anderen zu investieren, sind wir aufgerufen, uns zu erinnern, welche Gnade Gott uns bereits erwiesen hat, und das Wertvolle in unserem eigenen Leben mit Dankbarkeit anzunehmen und anzuerkennen.

Dieses Gebot wird so zu einer täglichen Praxis der Achtsamkeit, die uns davor bewahrt, unser persönliches Glück von den Erfolgen unseres Gegenübers abhängig zu machen.

Das ehrliche Aber

Kann man seine Gefühle und Sehnsüchte denn wirklich einfach per Gebot an- und ausschalten?

Niemand kann verhindern, dass ein neidischer Gedanke oder eine plötzliche Anziehung kurz im Kopf auftaucht. Das Gebot verlangt keine emotionale Perfektion, sondern warnt vor dem Augenblick, in dem wir diesen Gefühlen Raum geben und anfangen, Pläne zu schmieden. Die Falle im Alltag liegt in der Vorstellung, wir wären glücklicher, wenn wir das hätten, was wir bei anderen sehen – ihre Beziehung, ihre Freundschaften, ihre Anerkennung oder ihre Lebensumstände. Die Bibel erinnert uns daran, dass wahre Erfüllung nicht dadurch entsteht, dass wir nach dem Leben anderer greifen, sondern indem wir Verantwortung für das übernehmen, was uns selbst anvertraut ist.

Was Jesus dazu sagt

Jesus warnte vor Habsucht. Er stellte klar, dass Geld und Besitz leicht zu einem Ersatzgott werden können:

„Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“

Lukas 12,15

In dem Gleichnis vom reichen Kornbauern (Lukas 12,16-20) zeigt Jesus die Tragik eines Menschen, der nur für seinen materiellen Besitz lebt, dabei aber seine Seele und die Beziehung zu Gott völlig vernachlässigt. Für Jesus ist der Schlüssel zur Befreiung vom materiellen Begehren das Vertrauen in die väterliche Fürsorge Gottes: Wer weiß, dass der Vater im Himmel sich um ihn kümmert, kann getrost teilen und im Hier und Jetzt zufrieden leben.

Was du tun kannst

Ein guter Prüfstein: Wünschst du dir das Leben eines anderen oder wünschst du dir insgeheim, dass er es verliert?

Der erste Schritt heraus besteht selten darin, den Vergleich ganz abzustellen. Er beginnt eher damit, den eigenen Schmerz ehrlich anzuerkennen, ohne ihn am Leben eines anderen festzumachen und zu fragen, was im eigenen Leben wachsen könnte, statt zu wünschen, das Leben eines anderen wäre das eigene. 

Wenn wir Gott vertrauen, müssen wir nicht alles haben, um glücklich zu sein. Wir dürfen uns über das Gute im Leben anderer freuen und gleichzeitig darauf vertrauen, dass Gott auch unser Leben sieht und begleitet. Wir dürfen sicher sein, dass Gott uns kennt und weiß, was wir brauchen. Gleichzeitig dürfen wir unsere Sehnsüchte offen vor ihn bringen.


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