Glaubensfragen von Experten erklärt:
Als Jugendlicher hatte ich eine Zeit, in der mir meine Familie peinlich war und ich habe von außen drauf geguckt und habe gedacht: „Oje, dieser Onkel ist komisch, jene Tante ist seltsam, meine Eltern sowieso.” Und man schaut auf einmal von außen auf die eigene Familie und sieht nur seltsame Sachen, weil man ja selber cool ist und cool sein will.
Dann habe ich erfahren, durch einen Pflegefall in der Familie, bei dem sich alle gekümmert haben, um die eine Person, die wirklich ein Zuhause gefunden hat, als schwerer Krankheitsfall. Was ist das für ein Geschenk, Familie zu sein? Und auf einmal sieht man von innen heraus, dass die Leute gar nicht so komisch und so seltsam sind. Also meine Sehnsucht ist, dass Menschen von innen heraus die Kirche verstehen lernen, welcher Reichtum, welcher Schatz da ist.
Und dann relativieren sich die Dinge, die auch von außen an die Kirche herangetragen werden oder, die auch von außen sich tatsächlich ereignen. Kirche ist auch die Kirche der Sünder, die hoffen, dass sie durch den Glauben bessere Menschen werden.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Ich glaube, wir brauchen alle die Kirche, weil wir uns den Glauben nie selber geben und zusagen können; der Glaube ist immer ein Geschenk. Der heilige Paulus sagte einmal sehr treffend: Der Glaube kommt vom Hören (vgl. Röm 10, 17). Das setzt jedoch voraus, dass der Mensch zum Hören bereit sein muss. Diese Wirklichkeit begegnet mir in der Gemeinschaft der Kirche, die mir aus ihrer Tradition heraus den Glauben anbietet, den Glauben zusagt und an deren Glauben ich dann teilhabe.
Das heißt, Glauben ist nie nur mein eigenes persönliches Tun, sondern immer auch ein mit Glauben in der großen Gemeinschaft der Kirche.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)