Das Vaterunser in der Bibel

Vaterunser in der Bibel – Hintergrundwissen zum Vaterunser

Das Vaterunser kennen viele auswendig. Es ist das Master-Gebet der Christenheit, das die Christen über verschiedene Konfessionen hinweg vereint. 

Hast du dich schon einmal gefragt, woher das Vaterunser eigentlich kommt, wer es formuliert hat und wie tief es in der Bibel verwurzelt ist? 

Was ist das Vaterunser

Das Vaterunser (lateinisch Pater Noster) ist das bekannteste Gebet im Christentum. Es ist kein Gebet, das von späteren Gemeinden entwickelt oder im Laufe der Jahrhunderte zusammengestellt wurde. Jesus selbst hat es seinen Jüngern gegeben, als diese ihn baten: „Herr, lehre uns beten.“ (Lukas 11,1). 

Es ist in sieben Bitten gegliedert, die sich in zwei Teile aufteilen: Die ersten Bitten richten sich auf Gott selbst: auf seinen Namen, sein Reich, seinen Willen. Danach wenden sich die Bitten menschlichen Bedürfnissen zu: Brot, Vergebung, Bewahrung vor dem Bösen.

Tipp: Die Bedeutung der einzelnen Bitten und den Text findest du in unserem Beitrag: Vaterunser – das Gebet, das Jesus uns lehrte.

Jesus sprach Aramäisch, die Alltagssprache im damaligen Palästina. Zwar ist das Vater unser im Neuen Testament auf Griechisch überliefert und beginnt dort mit „Pater“ (Vater). Viele Bibelwissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass Jesus im Aramäischen ursprünglich „Abba“ gesagt haben könnte. Eine sehr vertraute Anrede, fast so wie das deutsche Wort „Papa“. Das war für die damalige Zeit revolutionär: Gott nicht als ferne Macht, sondern als nahen, liebenden Vater anzusprechen.

Wo steht das Vaterunser in der Bibel

Das Vater unser findet sich an zwei Stellen im Neuen Testament. Beide Versionen stimmen im Kern überein, unterscheiden sich aber in Länge und Formulierung. Im Gottesdienst wird die Fassung aus dem Matthäusevangelium verwendet.   

Das Vater unser in Matthäus 6,9–13 

Dies ist die längere und liturgisch bekanntere Version. Jesus spricht sie in der Bergpredigt als Teil seiner Erklärung über das richtige Beten. Er stellt das Gebet als Gegenentwurf zur frommen Show vor: „Wenn ihr aber betet, so sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden.“ (Matthäus 6,7). (Siehe auch Text des Vaterunser nach Matthäus 6, 9-13)

Ein interessanter Fakt am Rande: Vielleicht wunderst du dich, dass der feierliche Abschluss (die Doxologie „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ – in vielen Bibelausgaben bei Matthäus fehlt oder nur in Klammern oder einer Fußnote steht. Das liegt daran, dass dieser Lobpreis in den ältesten Handschriften des Matthäusevangeliums nicht enthalten ist. Er wurde vermutlich erst später von der frühen Kirche hinzugefügt, um das Gebet liturgisch abzurunden. 

Das Vater unser in Lukas 11,2–4 

Eine kürzere Version findet sich im Lukasevangelium. Hier ist die Ausgangssituation keine öffentliche Predigt. Ein Jünger bittet Jesus ausdrücklich, ihnen das Beten beizubringen, so wie es Johannes der Täufer mit seinen Jüngern getan hatte. Die Antwort auf die Bitte des Jüngers “Herr, lehre uns beten,” ist das Vater unser in kompakter Form.

Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen! Und erlass uns unsere Sünden; / denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. / Und führe uns nicht in Versuchung!

Wer hat das Vater unser geschrieben

Das Vater unser wurde uns von Jesus selber übergeben. Er hat es nicht als literarisches Werk verfasst, sondern seinen Jüngern mündlich weitergegeben. Die Worte stammen von Jesus selbst, wurden aber von den Evangelisten Matthäus und Lukas aufgeschrieben.

Das bedeutet:

  • Jesus ist der Ursprung des Gebets
  • Die Evangelisten haben es überliefert

So wurde das Vaterunser Teil der biblischen Texte und über Generationen hinweg weitergegeben.

Wie alt ist das Vater unser

Das Vater unser ist rund 2.000 Jahre alt. Jesus lehrte es seinen Jüngern während seines öffentlichen Wirkens in Galiläa und Judäa, also ungefähr zwischen 28 und 30 n. Chr. Wenige Jahrzehnte später wurde es durch die Evangelisten schriftlich festgehalten:

  • Das Matthäusevangelium wurde nach früher Datierung um 60 n. Chr. und nach späterer Datierung um 80 bis 90 n. Chr. verfasst.
  • Das Lukasevangelium entstand etwa nach Frühdatierung zur gleichen Zeit, wahrscheinlich um 70 – 90 n. Chr.

(Über Früh- und Spätdatierung: Historisch wurde Jerusalem 70 n. Chr. zerstört. Viele Forscher sagen deswegen, dass die Evangelien, in denen Jesus diese Zerstörung voraussagt,  erst nach 70 n. Chr. verfasst wurden. Wer davon ausgeht, dass der Sohn Gottes die Zukunft vorhersagen kann, für den ist die Frühdatierung kein Problem.)

Damit ist das Vater unser eines der ältesten überlieferten Gebete der Christenheit. Und noch erstaunlicher: Seit zwanzig Jahrhunderten wird es in unzähligen Sprachen, in Kathedralen und Hinterzimmern, in lautem Gemeindegesang und stillem Flüstern gebetet.

Es hat Kriege, Verfolgungen und Jahrhunderte des Wandels überdauert.

Vielleicht ist das der schönste Gedanke: Wenn du heute das Vater unser betest, verbindest du dich mit Millionen von Menschen über alle Zeiten hinweg und vor allem mit dem, der es als Erster gesprochen hat.

Das Vaterunser – das Gebet, das Jesus uns lehrte

Vaterunser aus der Bibel

Das Vaterunser – in der reformierten Kirche auch „Unser Vater“ genannt – ist das bekannteste christliche Gebet. Und das aus gutem Grund: Jesus selbst hat es im Wesentlichen so seine Nachfolger gelehrt. Es ist so etwas wie ein Grundrezept für das Gebet in Form und Inhalt.

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