Auf den ersten Blick nicken wir hier alle erleichtert: „Check, das betrifft mich nicht.“ Aber die Auslegung Jesu holt dieses Gebot mitten in unseren Alltag.
Du sollst nicht töten.
Hinweis: Dieser Artikel verwendet die lutherisch-katholische Zählweise. Warum sich die Nummerierung je nach Konfession unterscheidet, erfährst du in im Beitrag Übersicht zu den 10 Geboten.
Der Kern: Was bedeutet das fünfte Gebot
Im Kern schützt das fünfte Gebot das menschliche Leben. Jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen und besitzt deshalb eine Würde, über die niemand verfügen darf. Das Gebot verbietet nicht nur Mord, sondern verpflichtet auch dazu, menschliches Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen.
Kein Mensch darf entscheiden, welchen Wert ein anderes Leben hat.
Das fünfte Gebot im Alltag
Das fünfte Gebot begegnet uns überall dort, wo das Leben oder die körperliche Unversehrtheit eines Menschen gefährdet wird. Es beginnt nicht erst beim Mord. Wer Gewalt ausübt, andere leichtfertig in Gefahr bringt oder wegschaut, wenn ein Mensch misshandelt wird, missachtet den Wert des Lebens.
Das Gebot fordert deshalb nicht nur: Töte nicht. Es fordert auch: Schütze das Leben. Das kann bedeuten, in einer Notsituation Hilfe zu holen, bei Gewalt nicht wegzusehen oder verantwortungsvoll mit der eigenen Gesundheit und der anderer umzugehen.
Aber was ist mit Notwehr?
Darf ein Polizist schießen, um Geiseln zu retten? Darf ein Land sich militärisch verteidigen, wenn es angegriffen wird? Was ist mit der Notwehr? Wenn mich oder meine Familie jemand angreift, muss ich mich dann wehrlos verletzen oder töten lassen? Das ist der Härtefall, der viele Menschen (und auch Theologen) umtreibt.
Wer hier nach einfachen, schwarz-weißen Antworten sucht, wird der Realität oft nicht gerecht. Es gibt keine einfache Antwort, die jede Situation gleich beurteilt.
Ein wichtiger Unterschied ist jedoch:
Das fünfte Gebot stellt das Töten nicht als normalen oder wünschenswerten Weg dar.
Das Leben zu schützen hat grundsätzlich Vorrang. Wenn ein Mensch einen anderen angreift, kann es notwendig sein, Gewalt einzusetzen, um das Leben eines Menschen zu retten. Dabei geht es nicht um Rache oder darum, den Angreifer zu bestrafen. Es geht darum, unmittelbares Unrecht zu stoppen. Auch in anderen schwierigen Situationen bleibt die Grundrichtung des Gebots bestehen:
Das Leben soll geschützt werden.
Was Jesus dazu sagt
Jesus verurteilt nicht nur das Töten selbst. Er warnt eindringlich vor Hass, Verachtung und entwürdigenden Worten, weil sie den Boden für Gewalt bereiten können:
„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ‚Du sollst nicht töten‘ […] Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig.“
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