Glaubensfragen vom Experten erklärt:
Die Taufe ist das Eingangstor zum Christsein. Sie ist uns geschenkt – unentgeltlich geschenkt – und natürlich geht es um die Frage: Wie lebe ich in der Taufe und aus der Taufe dieses Beziehungsgeschenk? Es kann sein, dass Ihnen jemand seine Freundschaft anbietet und Sie freuen sich. Und irgendwann ist es Ihnen egal und Sie lassen es bleiben und liegen. Sie können auch aus dieser Taufgnade wieder herausfallen. Sie bleiben zwar in geheimnisvoller Weise getauft, aber es geht um die Qualität der Beziehung, um das innere Leben, dass Sie mit Gott leben und dass er mit Ihnen leben will, das er Ihnen anbietet.
Also sind wir herausgefordert, immer wieder neu den Spuren Gottes in unserem Leben zu folgen, uns darauf einzulassen und so unser Leben von ihm verwandeln zu lassen.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Die Heilige Schrift ist ein komplexes Buch. Es sind sogar viele Bücher. Es ist eine Bibliothek. Ich glaube, der Kern von allem ist die Perspektive auf das Kreuz Jesu. Wenn wir sagen, in dieser Hingabe sagt Jesus alles, was er zu sagen hat, letztlich sogar, indem er verstummt, sterbend nichts mehr sagt, sagt er alles, das heißt absolute Liebe, absolute Hingabe.
In diesem Handeln Jesu, in diesem letzten Wort, kommt alles zum Ausdruck, und auf das läuft die ganze Schrift zu. Das ist für mich ein wichtiger Interpretationsschlüssel. Die ganze Schrift erzählt direkt oder indirekt von Jesus und läuft auf Jesus zu. Wenn ich das im Herzen und im Blick habe, dann kann ich die verschiedenen Texte und Gattungen auch so lesen, dass sie mir Orientierung geben, auf Jesus hin und auf das Leben mit ihm.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Als Jugendlicher hatte ich eine Zeit, in der mir meine Familie peinlich war und ich habe von außen drauf geguckt und habe gedacht: „Oje, dieser Onkel ist komisch, jene Tante ist seltsam, meine Eltern sowieso.” Und man schaut auf einmal von außen auf die eigene Familie und sieht nur seltsame Sachen, weil man ja selber cool ist und cool sein will.
Dann habe ich erfahren, durch einen Pflegefall in der Familie, bei dem sich alle gekümmert haben, um die eine Person, die wirklich ein Zuhause gefunden hat, als schwerer Krankheitsfall. Was ist das für ein Geschenk, Familie zu sein? Und auf einmal sieht man von innen heraus, dass die Leute gar nicht so komisch und so seltsam sind. Also meine Sehnsucht ist, dass Menschen von innen heraus die Kirche verstehen lernen, welcher Reichtum, welcher Schatz da ist.
Und dann relativieren sich die Dinge, die auch von außen an die Kirche herangetragen werden oder, die auch von außen sich tatsächlich ereignen. Kirche ist auch die Kirche der Sünder, die hoffen, dass sie durch den Glauben bessere Menschen werden.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Jesus ist ein Erdbeben. Jesus ist in diese Welt gekommen und hat in einer Weise von Gott erzählt und mit einer Vollmacht agiert, dass die Menschen gespürt haben, in ihm ist auf geheimnisvolle Weise die göttliche Gegenwart selbst da. Und das war so provozierend für die Menschen, dass, je näher sie ihm gekommen sind, die einen gesagt haben: „Das ist mir zu viel, ich muss den weg haben“ und die anderen fallen nieder und beten ihn an!
Also im Evangelium wird mal gesagt: „Nie hat ein Mensch so gesprochen”. Ich würde auch dazu sagen: Nie hat ein Mensch so geliebt. Nie war einer freier als er. Nie war einer wahrhaftiger als er.“ Er ist der Sinn von allem. Wenn wir uns an ihm orientieren, dann kommen wir in jedem Fall nach Hause. Er ist auch der Retter für jeden von uns. Und er ist das Zentrum der Weltgeschichte.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Normalerweise gehen wir durch die Welt und denken, dass das, was wir sehen, alles ist, was es gibt. Gleichzeitig hat jeder tiefe Erfahrungen von tiefer Freundschaft, tiefem Vertrauen und echter Liebe. Woher kommt das? Was ist der Sinn von allem? Warum sind wir da? Die Welt bietet uns an, dass wir nach Anerkennung, Macht und Sicherheit streben sollen. Aber jeder, der tiefer nachdenkt, spürt, dass das nicht das Ganze ist.
Die Christen aller Zeiten haben erfahren, dass in Jesus plötzlich jemand in dieser Welt auftaucht, der von sich sagt: „Ich bin der Sinn von allem – ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.” Und die Erfahrung ist auch, wenn du mit ihm unterwegs bist und wenn du lernst, ihn zu lieben, sich auf ihn einzulassen, mit ihm zu gehen, und das Vertrauen in ihn zu haben, dass dann die Erfahrung wächst: „Der Sinn ist da, der Sinn meines Lebens. Ich verstehe tiefer, wer ich bin. Ich verstehe tiefer, wer Gott ist.” Das ist der Grund, warum wir glauben.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Wenn wir Freundschaft erleben, dann erleben wir, dass zwei Menschen zueinander finden, sich gut verstehen und dann sprechen sie von unserer Freundschaft, unserer Beziehung, unserer Liebe zueinander. Sie spüren, dass das, was uns verbindet, mehr ist, als nur die Summe der beiden Freunde miteinander, sondern etwas, worin ich bin, etwas, was mich umgibt, etwas an dem ich Anteil haben darf, das wir beide irgendwie hervorbringen, aber das gleichzeitig mehr ist, als wir beide.
Der Heilige Geist ist das, was den Vater, Gott und den Sohn verbindet als Liebe. Und Christus möchte, dass wir durch das, was er an uns und für uns tut, hineinnehmen in diese Beziehung, dass wir miterfüllt werden von der Liebe, die vom Vater und vom Sohn ausgeht und beide umfängt. Wir dürfen Anteil nehmen an dieser Liebe.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Der katholische Glaube zeichnet sich dadurch aus, dass wir zunächst mal die Sakramente feiern und pflegen und haben – allen voran die Eucharistie. Aber auch die Beichte, die Firmung. Wir haben die sakramentale Priesterweihe. Wir haben insgesamt sieben Sakramente. Und es ist alles für uns sehr wichtig für unser gläubiges Leben. Wir haben ein Lehramt, das im Heiligen Vater und in den Bischöfen zum Ausdruck kommt.
Wir haben eine Verehrung von Heiligen, von denen wir glauben, dass sie Wegbegleiter, Fürsprecher und Fürbitter für uns vor Gott sind. Wir verehren auch Maria in besonderer Weise als Fürbitterin und Mutter der Kirche, weil sie auch Mutter Jesu war. Die Kirche heißt bei Paulus „Leib Christi“. Sie hat diesen Leib auch buchstäblich geboren. Das sind alles Kennzeichen des Katholizismus, der uns auszeichnet, die ich nicht missen möchte.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Der Kern des Christseins ist die Gottesbeziehung. Die lebendige Gottesbeziehung. Also die Frage ist: Wie ist unser persönliches Gebetsleben? Gibt es sowas? Wie gehen wir mit dem Wort Gottes um? Wie leben wir in der Gemeinschaft? Geht es darum, dass wir irgendwas erfüllen, was Konvention ist, oder weil unsere gläubigen Verwandten uns in die Kirche schicken? Oder geht es darum, dass wir eine Sehnsucht haben, die Beziehung mit Gott zu leben und zu pflegen und darin zu wachsen und dann wirklich auch seine Jüngerinnen und Jünger zu werden.
Glaube ist mehr als nur eine äußere Dekoration unseres sonstigen gesellschaftlichen Lebens. Glaube ist existenzielles Verwurzeltsein in Gott und davon auch Zeugnis zu geben durch unser Wort, aber auch durch unser Tun. Erkennen wir im anderen Menschen auch die Gegenwart Gottes und dienen ihm deshalb und nicht, weil wir ihn brauchen oder ihn für uns nutzen wollen.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Wir als Christen glauben, Gott ist ansprechbar. Gott hat einen Namen, den er selbst offenbart hat. Der eine Teil dieses Namens „Ich bin, der ich bin da” im Alten Testament. Er ist der, der mit uns durch die Zeit und durch die Geschichte geht.
Und dann kommt Jesus auch noch mal und offenbart uns diesen Gott tiefer als Vater. Also als eine Erzeugungsmacht von Welt und gleichzeitig eine väterlich beschützende, begleitende Macht, von der wir glauben dürfen, dass in allem, was passiert, er die Welt in der Hand hält. Also in diesem Sinne dürfen wir glauben, dass Gott ein „Du” für uns ist, ein Gegenüber, der auf uns schaut und der mit uns durch die Welt und Zeit gehen will..
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Plakativ gesagt: Jesus geht es um eine Rettungsaktion! Die Menschheit läuft aus der Sicht Gottes in die Verlorenheit und Jesus will sie zurückholen, zurück lieben und hineinnehmen in die Versöhnung mit Gott, mit dem Vater. Jesus offenbart uns den Vater und will, dass wir uns identifizieren als Kinder Gottes, als seine Geschwister, als Familienmitglieder Gottes durch Vergebung, durch Erneuerung, durch Transformation.
Er will aus uns neue Menschen machen. Wenn wir getragen von Gott sind und uns in dieser Getragenheit wissen, dann gehen wir anders durch die Welt und können auch der Welt mitteilen, dass wir einen Vater haben und einen Bruder und Herrn, der uns da hinein liebt und hinein gerettet hat.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)
Um gläubig zu werden, braucht es zunächst den Wunsch, überhaupt gläubig zu werden. Jesus sagt: „Bittet und ihr werdet empfangen. Suchet und ihr werdet finden.“
Suchen wir wirklich Gott? Suchen wir nach dem tiefsten Sinn des Lebens? Suchen wir nach mehr Freude, mehr Vertrauen, mehr Liebesfähigkeit? Wenn wir ihn suchen und dann anfangen, uns mit ihm zu beschäftigen und dann auch anfangen zu bitten, dann schenkt uns Gott – so dürfen wir glauben – auch den Glauben. Und dann geht es um Beziehungspflege. Dann wachsen wir hinein, indem wir an dem Gottesdienst der Gemeinschaft teilnehmen.
Ich bin Katholik. Bei uns geht es auch um das Leben aus den Sakramenten. Das Leben mit dem Wort Gottes, das Leben mit der Heiligen Schrift. Das sind Dinge, die uns helfen, in den Glauben zu finden und im Glauben zu wachsen. Wichtig ist auch Gemeinschaft mit Menschen, die glauben.
(Text von Bischof Dr. Stefan Oster SDB persönlich autorisiert.)