Glaubensfragen vom Experten erklärt:
Gott ist für mich der Vater, der mich liebt, der mich ins Leben gerufen hat und der immer offene Arme für mich hat.
Erst recht dann, wenn ich in Situationen komme, die herausfordernd oder belastend sind: Dann steht er, um es mit einem Bildwort aus dem Neuen Testament zu sagen, an der Schwelle mit offenen Armen und erwartet mich.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Jesus ist für mich die uns zugewandte Seite Gottes. Jesus selbst drückt es in einem Gespräch mit seinen Jüngern aus, wenn er sagt: “Wer mich sieht, sieht den Vater.” (Joh 12, 45)
In Jesus sehen wir Gott und haben einen direkten Zugang zu IHM. Das Besondere an Jesus ist, dass er uns Gott offenbart, zeigt und damit einen bestmöglichen Zugang zu Gott ermöglicht.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Ich glaube, wir brauchen alle die Kirche, weil wir uns den Glauben nie selber geben und zusagen können; der Glaube ist immer ein Geschenk. Der heilige Paulus sagte einmal sehr treffend: Der Glaube kommt vom Hören (vgl. Röm 10, 17). Das setzt jedoch voraus, dass der Mensch zum Hören bereit sein muss. Diese Wirklichkeit begegnet mir in der Gemeinschaft der Kirche, die mir aus ihrer Tradition heraus den Glauben anbietet, den Glauben zusagt und an deren Glauben ich dann teilhabe.
Das heißt, Glauben ist nie nur mein eigenes persönliches Tun, sondern immer auch ein mit Glauben in der großen Gemeinschaft der Kirche.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Manche finden Gottesdienste sehr, sehr langweilig. Ich persönlich erfahre, dass, Gottesdienste immer etwas haben, das über uns hinausgeht. Der Gottesdienst führt uns zu Gott. Der Gottesdienst führt uns in das Transzendente, über unser Leben hinaus, über diese Wirklichkeit hinaus in den Bereich der Sphäre Gottes.
Ein “guter” Gottesdienst soll mich immer erheben. In der katholischen Liturgie heißt es an einer Stelle: “Erhebt die Herzen”, das heißt: erhebt euch, hebt euch auf zu Gott, macht euch auf, Gott näher zu kommen. So muss der Gottesdienst mich immer ein Stück näher zu Gott hin befördern.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Vor den großen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern gibt es manchmal im Internet ein paar Guidelines, wie man sich da verhalten könnte.
Das ist gerade eine Anregung für diejenigen, die nicht allzu oft oder regelmäßig kommen und ungeübt sind. Da kann man vielleicht nachschlagen. Grundsätzlich würde ich raten, sich unaufdringlich zu verhalten, sich ein bisschen mit Gefühl einzupassen, ein bisschen zu schauen, was die Menschen vor mir hinter oder neben mir machen. Dann kann so schnell nichts schiefgehen. Wir sind mittlerweile gar nicht mehr so streng, dass alle im Gleichtakt aufstehen oder knien, sondern da gibt es immer welche, die bleiben vielleicht auch stehen, während die anderen knien und umgekehrt. Es gibt eine Freiheit der Form. Das Wichtigste ist vor allem das Aufgeschlossen-Sein, das Interessiert-Sein an dem, was im Gottesdienst passiert. So öffnet man das Herz und gibt Gott im eigenen Leben ein bisschen mehr Raum, Stück für Stück.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Jesus sagt von sich selbst nicht, dass er genötigt worden ist, sondern dass er sein Leben selbst freiwillig gegeben hat. Den Tod Jesu würde ich daher immer als Hingabe deuten. Er gibt sich selbst, und zwar aus Liebe. Theoretisch könnte ich mir auch vorstellen, dass er auch auf andere Weise hätte sterben können.
Aber das Wichtigste ist, dass er sein Leben hingibt. Er gibt sich ganz aus Liebe zu uns Menschen hin. Für mich sind Kreuzesdarstellungen sehr wichtig. Ich kenne viele verschiedene. Im Süden Deutschlands ist mir mal ein Kreuz begegnet, da sieht man sogar auf dem Gesicht Jesu schon ein Lächeln. Das heißt, er gibt sich sogar mit Freude hin. Er tut es nicht einfach notgedrungen. Ihm wird nichts abgerungen, sondern er gibt sich, weil er das möchte und weil er ganz für uns Menschen da sein möchte. Ein Heiliger hat mal gesagt: Jeder einzelne Mensch ist das ganze Leben Christi wert.
Hätte es nur einen Menschen auf der Erde gegeben, ich glaube, Jesus wäre auch für diesen einzelnen Mensch voll und ganz gestorben.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Herzlich willkommen in der katholischen Kirche! Sie ist die weltweite Kirche, die umfassende Kirche, die eine, die heilige, katholische und die apostolische Kirche- also jene Merkmale, die von Anfang an mit Kirche verbunden sind. Ich genieße es, katholisch zu sein, gerade hier oben im Norden, in Hamburg, weil wir hier eine internationale, wirklich katholische Kirche sind aus ganz vielen Ländern.
Über 1/3 der Mitglieder in Hamburg haben einen Migrationshintergrund, und daran sehe ich immer die Reichtümer dieser katholischen Weltkirche. Und überdies, wenn ich als Bischof in der Welt unterwegs bin, dann bin ich immer in jeder katholischen Kirche zu Hause, auch wenn dort vielleicht eine andere Sprache gesprochen wird, wenn andere Lieder gesungen werden und es mache anderen Gebräuche gibt. Aber als Christen, als Katholiken sind wir weltweit daheim und bilden die Kirche ab.
Jedenfalls versuchen wir das im besten Sinne Jesu.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Christ werde ich, indem ich Sehnsucht habe. In dieser Sehnsucht sollte ich mir sodann einen Begleiter suchen, einen Menschen, der Christ ist und der mich begleiten kann, der mir Fragen beantworten kann. Am Ende werde ich Christ, nicht indem ich es mache oder indem ich eine Mitgliedserklärung unterzeichne: Christ wird man durch die Taufe.
In der Taufe werde ich in Christus eingegliedert, in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes. Die Taufe ist das große Geschenk – etwas Größeres gibt es eigentlich nicht. Das weitere Leben besteht anschließend darin, die Taufe zu entfalten und im Alltag zu leben.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)
Der Heilige Geist ist nicht zuerst eine Gabe, ein Ding oder eine Befähigung oder so etwas, sondern der Heilige Geist ist zuallererst eine Person. Daher müsste man nicht nach dem “was”, sondern vielmehr nach dem “wer” fragen.
Als Christen glauben wir an den dreifaltigen Gott in drei Personen. Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Diese drei sind in einem engen Beziehungsgeschehen zueinander. Der Geist ist die Person, die sozusagen den Vater mit dem Sohn “zusammenhält”, verbindet und gleichzeitig auch dafür sorgt, dass jede der göttlichen Personen als diejenige deutlich wird, die sie ist. Dieser Geist ist uns zugesagt. Wir leben als Christen aus dem Heiligen Geist – anders ist das Christsein gar nicht möglich.
(Text von Erzbischof Dr. Stefan Heße persönlich autorisiert.)