Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl: 9 Fragen zu Gott und Glauben

Glaubensfragen vom Experten erklärt:

Über Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl wurde 1963 in Stuttgart geboren. Er absolvierte das Studium der evangelischen Theologie in Tübingen, Bern und Rom. Nach seinem Vikariat in Böblingen war er als Pfarrer in Plieningen-Birkach und ab 2006 als Dekan in Ulm tätig. Seit Juli 2022 ist er Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er ist zudem Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Wie geht Beten? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Ich würde einfach Mut machen, dass du wie du mit einem Mensch sprichst, so auch mit Gott sprichst und dass du dir da wirklich traust, alles zu sagen, was dir auf dem Herzen liegt.

Und wenn du unsicher bist, dann gibt es auch vorformulierte Gebete, wo man einfach reinfinden kann. Beten ist ein Lernprozess, aber auch da gibt es kein Richtig und kein Falsch. Perfektionismus beim Beten, das ist, glaube ich, das Schlechteste, was man machen kann. Sondern Mut haben, dass mich Gott so hört, wie ich im Moment gerade empfinde.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Wie werde ich Mitglied der evangelischen Kirche? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Also wenn ich in die Kirche eintreten will, habe ich zwei ganz leichte Möglichkeiten. Es gibt bei uns ein Kircheneintritts-Telefon. Da kann ich einfach anrufen, sagen, ich will in die Kirche eintreten. Dann wird es aufgenommen, der Kontakt zum Ortspfarramt hergestellt oder der zweite Punkt, was ich eigentlich das Schönere finde, dass man zum Ortspfarrer, zur Ortspfarrerin geht und sagt: Ich will in die Kirche eintreten, nämlich dann führt man gleich ein Gespräch und lernt sich ein bisschen kennen. Und das ist auch wichtig in der Gemeinde, dass man sich kennt. Und am Schluss füllt man einfach ein Formular aus. Das ist also ganz niederschwellig und unbürokratisch.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Wie verhalte ich mich in einem Gottesdienst? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Auf jeden Fall kann jeder einfach so zum Gottesdienst hingehen. Alle freuen sich, wenn Menschen zum Gottesdienst kommen.
Und ich mache so, wenn ich mich wo nicht auskenne, schaue ich mal wie verhalten sich die anderen Menschen und gleich sich gleich mich da an? Aber bei uns gibt es zum Beispiel in jedem Gesangbuch hinten auch der Gottesdienstablauf, wo das aufgeschrieben ist, dass ich mich da in gewisser Weise orientieren kann. Es gibt auch oft Ansagen, dass man sagt, wir stehen auf oder wir setzen uns.
Aber was natürlich auch klasse ist, wenn man neu ist, wenn man Freund oder Freundin hat, die einen Gottesdienst begleitet, die sich da schon ein bisschen auskennen. Das macht es auch leicht. Aber das Wichtigste: Im Gottesdienst könnt ihr nichts falsch machen.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Wie lese ich die Bibel? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Bibel lesen geht auch wie in anderen Büchern, dass man sich schlichtweg traut. Und bei Bibellesen würde ich jetzt als Christ würde ich mal Gleichnisse lesen. Sie sind einfach wunderbar und das kriegt man raus. Man kann es googeln im Internet, da findet man die Bibelstellen und da, weil das wunderbare Erzählungen sind, die eine ganz, ganz tiefe Wahrheit hat.
Und so würde ich mich Schritt für Schritt vortasten. Gute Hilfen sind auch Bibellesepläne, wo es unterschiedliche Einstiegsstufen gibt. Mut zum Lesen. Bibel ist ein ganz fantastisches Buch.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Wer ist Gott? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Es gibt ja das bekannte Lied: Weißt du wie viel Sternlein stehen? Die meisten denken, das sei ein Abendlied. Aber es ist ein Lied, das die Schöpfung besingt und uns daran erinnert, dass die ganze Schöpfung von Gott geschaffen ist und auch jeder Mensch. Und in diesem Lied heißt es: Kennt auch dich und hat dich lieb.
Also Gott kennt mich, er kennt dich, er hat mich lieb, er hat dich lieb. So ist Gott für uns und wir können immer nur in Bildern von Gott reden. Ein anderes schönes Bild ist Gott als der gute Hirte, der mich begleitet, weil wir alle ja wissen. Es gibt Situationen, wo es auch dunkle Täler gibt, aber da ist Gott dabei und der dritte Punkt als Christ glaube ich natürlich, dass sich Gott in Jesus Christus gezeigt hat.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Wer ist Jesus? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Jesus ist Gottes Sohn. Aber wir glauben, dass er eben nicht nur ein vorbildlicher Mensch war, sondern dass sich Gott in ihm zeigt und dass er wahrer Mensch und wahrer Gott ist.
So sagt es die Dogmatik. Was heißt das aber für uns? Und für mich heißt dieses, dass uns Jesus nun in ganz besonderer Weise gezeigt hat, wie Gott wirkt, wie Gott denkt, wie er ist, etwa in seinen Gleichnissen. Da gibt es ja tolle Gleichnisse vom verlorenen Sohn, dass eben anders als wir Menschen Gottes Liebe keine Grenzen kennt. Und dafür ist Jesus gestorben, weil die Menschen das nicht glauben wollten.
Und wenn er nur im Tod geblieben wäre, dann wäre es einfach eine Botschaft wie von anderen auch. Aber an Ostern feiern wir, dass Jesus auferstanden ist und dass Liebe und Gott das letzte Wort behalten. Und das verkörpert für mich Jesus Christus in ganz besonderer Weise.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Warum soll ich mein Kind evangelisch taufen lassen? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Das spreche ich jetzt nicht nur als Bischof, sondern auch als Vater, wo ich sage: Für mich war es immer eine kolossale Entlastung durch die Taufe unserer Kinder, weiß ich, Gott ist bei ihnen und ist ihnen auch nahe, wenn ich als Eltern ihnen nicht nahe sein kann.
Also sie sind geborgen. Umfassende Geborgenheit in Gottes Liebe finde ich ganz wertvoll. Und der zweite Punkt, was mir dann theologisch beim Kind wichtig ist, ist, dass uns deutlich wird, Kinder können noch gar nichts selber leisten. Gottes Liebe kommt uns immer zuvor. Das finde ich ein ganz starkes Zeichen. Auch ermutigendes Zeichen, dass es anders in der Welt zugeht, wo du etwas leisten musst, Gott uns mit seiner Liebe immer einen Schritt voraus ist.
Und deshalb würde ich jeden ermutigen, sein Kind taufen zu lassen.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Warum musste Jesus sterben? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Jesus musste sterben, weil die Menschen schlichtweg nicht akzeptieren konnten, dass Gott dieser liebende Vater ist, dessen Liebe keine Grenzen gibt. Und das sind wir als Menschen nicht gewohnt. Und das hält man nicht aus. Und als Zeichen dieser Liebe, die sich ganz schenkt, steht das Kreuz. Aber als Jesus stirbt und das ist ja auch, finde ich, für uns Menschen echt ein ermutigendes Zeichen, erlebt auch eine ganz große Verlassenheit.
Er fragt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und wenn es damit aus wäre, dann wäre dieser Lebensweg aus der Liebe Lügen gestraft. Aber am Ostermorgen, da steht’s dafür, dass Gott genau diesen Weg, der einfach so hoffnungslos erscheint, bestätigt und ein für alle Mal zeigt, dass die Liebe das letzte Wort behält.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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Warum soll ich evangelischer Christ sein? - Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

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Ich kann es von mir einfach persönlich sagen. Warum bin ich gern evangelischer Christ? Ich finde es wichtig, dass wir uns einfach auch bewusst machen. Das hat ganz viel auch mit persönlichen Traditionen zu tun und Prägungen. Und ich finde wichtig, dass wir, sagen wir, nicht die eine Konfession ist richtig und die andere ist falsch, sondern: Warum bin ich es? Und ich bin gern evangelischer Christ, weil ich da einfach ganz auf mein Gewissen zurückgeworfen bin und auf mein Verständnis der Bibel.
Ich habe kein Lehramt, das mir sagt, was ich glauben muss, sondern ich darf – aber manchmal ist es auch ein Muss – ich muss mich selbst vor Gott und meinem Gewissen entscheiden, wie ich zu der einen oder anderen Position stehe. Und das Gewissen kann niemand prüfen. Das ist meine Entscheidung. Das finde ich bei uns ein wichtiges Gut. Das zweite wichtige Gut finde ich bei uns, dass bei uns mit einer großen Selbstverständlichkeit Männer und Frauen gleichberechtigt sind und wir auch Pfarrerinnen haben, Bischöfinnen haben und Frauen im Pfarramt.
Das hat unsere Kirche zum Positiven verändert.

(Text von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl persönlich autorisiert.)

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