Das zweite Gebot

Das zweite Gebot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen 

Oft denken Menschen hierbei nur an Schimpfwörter („gottverdammt“ oder „Herrgott noch mal!“). Aber dieses Gebot hat eine viel tiefere, fast schon politische und psychologische Dimension: Es verbietet, Gott für die eigenen Zwecke einzuspannen.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

2. Mose 20,7 

Hinweis: Dieser Artikel verwendet die lutherisch-katholische Zählweise. Warum sich die Nummerierung je nach Konfession unterscheidet, erfährst du im Beitrag Übersicht zu den 10 Geboten.

Was bedeutet das zweite Gebot

Der Name Gottes soll nicht dazu benutzt werden, andere einzuschüchtern, die eigene Meinung durchzusetzen oder etwas zu rechtfertigen, das Gott niemals gutheißen würde.

Menschen haben im Lauf der Geschichte immer wieder gesagt: „Gott will das“, um Macht auszuüben oder anderen Menschen zu schaden. Genau hier liegt eine besonders gefährliche Form des Missbrauchs von Gottes Namen.

Spiel dich nicht als Gottes Pressesprecher auf. 

Aber auch im Alltag kann Gottes Name gedankenlos oder respektlos verwendet werden. Als Fluch. Als leere Redewendung. Als religiöse Formel, die etwas heiliger erscheinen lassen soll, als es tatsächlich ist.

Das zweite Gebot im Alltag

Viele Menschen verbinden das zweite Gebot vor allem mit dem Aussprechen von „Gott“ oder „Jesus“ als Fluchwort. Das kann durchaus ein Teil des Themas sein.

Doch das Gebot reicht tiefer.

Wir können Gottes Namen auch dann missbrauchen, wenn wir fromme Worte benutzen, aber Menschen verletzen. Wenn wir behaupten, für Gott zu sprechen, obwohl wir eigentlich nur unsere eigene Meinung durchsetzen wollen. Wenn wir anderen mit Gott drohen, um sie zu kontrollieren.

Das kann in Familien geschehen. In Gemeinden. In Beziehungen. In Politik und Gesellschaft. Überall dort, wo Menschen ihre eigenen Interessen mit Gottes Namen schmücken und dies begründen mit:

„Gott sagt, du musst genau das tun, was ich sage.“

Nicht jede religiöse Aussage ist automatisch wahr. Und nicht jeder, der „Gott“ sagt, spricht tatsächlich in seinem Namen.

Die Stolperfalle

Vielleicht wurde dir gesagt: „Gott bestraft dich, wenn du das tust“, um Angst zu erzeugen. Vielleicht wurde „Gottes Wille“ benutzt, um dich zu kontrollieren, dein Leiden zu rechtfertigen oder dich zum Schweigen zu bringen. Vielleicht hast du erlebt, wie Menschen im Namen Gottes Macht über andere ausgeübt haben, statt Liebe zu zeigen.

Das ist selbst ein Missbrauch dieses Namens und es ist wichtig, das klar zu benennen: Wenn Gottes Name benutzt wurde, um dich zu verletzen, dann war das nicht Gott, der dir das angetan hat. Es waren Menschen, die seinen Namen für ihre eigenen Zwecke missbraucht haben.

Es ist wichtig, das ernst zu nehmen.

Was im Namen Gottes getan wird, ist nicht automatisch mit Gott selbst gleichzusetzen. 

Der Weg zurück zu einem echten Gottesbild beginnt oft genau hier: mit der Unterscheidung zwischen dem, was im Namen Gottes getan wurde, und dem, wer Gott tatsächlich ist.

Was Jesus dazu sagt

Jesus selbst hatte wenig Geduld mit einer Religiosität, die Gottes Namen zur Schau trägt, aber innerlich leer bleibt. Er sagte: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern der den Willen meines Vaters tut“ (Matthäus 7,21). Der Name allein rettet niemanden.

Auch zum Thema Schwüre findet er klare Worte: „Euer Wort aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“ (Matthäus 5,37) Du brauchst Gottes Namen nicht, um deinen eigenen Worten Gewicht zu verleihen. Wenn du wahrhaftig lebst, reicht ein einfaches Ja oder Nein.

Jesus kritisierte auch religiöse Führer, die mit frommen Worten Gott ehrten, während ihr Herz fern von ihm war (Matthäus 15,8), und dabei anderen Menschen schwere Lasten aufbürdeten (Matthäus 23,4). 

Eine Hilfestellung für das zweite Gebot

Ein guter Prüfstein: Wird Gott ins Spiel gebracht, um zu befreien oder um zu kontrollieren? Wird sein Name benutzt, um dir zu dienen, oder damit jemand anderes durch ihn Macht über dich bekommt?

Ehrfurcht vor Gottes Namen bedeutet am Ende: Ihn nicht kleinreden, indem man ihn für sich einspannt.


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